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Geschichte der Demokratischen Schule - Karl Geller

Geschichte der Demokratischen Schule (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021
300 Seiten
tologo Verlag
978-3-937797-91-5 (ISBN)
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Die erste umfangreiche Aufarbeitung und Niederschrift der Geschichte der Demokratischen Schule! Neben dem historischen Ein- und Überblick, woher Demokratische Schulen kommen und was sie ausmacht, gibt dieses Buch eine detaillierte Übersicht über die aktuelle Situation der Demokratischen Schulen in Deutschland, Europa und der Welt. Ein Muss für jeden, der sich mit dem Thema Demokratische Schule auseinandersetzt.

Karl Geller, geboren 1993, hat Lehramt an der Uni Augsburg studiert und beginnt im September 2021 sein Referendariat in den Fächern Mathematik und Sport auf einem Gymnasium. Während der Recherche zu einem Uni-Projekt fiel Karl Geller auf, dass bisher niemand die Geschichte der Demokratischen Schulen aufgeschrieben hatte. Daraufhin recherchierte er über 200 Jahre zurück, verwertete mehr als 300 Quellen aus 13 verschiedenen Sprachen und befragte Wissenschaftler, Pädagogen und Schulgründer auf der ganzen Welt.

Karl Geller, geboren 1993, hat Lehramt an der Uni Augsburg studiert und beginnt im September 2021 sein Referendariat in den Fächern Mathematik und Sport auf einem Gymnasium. Während der Recherche zu einem Uni-Projekt fiel Karl Geller auf, dass bisher niemand die Geschichte der Demokratischen Schulen aufgeschrieben hatte. Daraufhin recherchierte er über 200 Jahre zurück, verwertete mehr als 300 Quellen aus 13 verschiedenen Sprachen und befragte Wissenschaftler, Pädagogen und Schulgründer auf der ganzen Welt.

Vorwort

Einleitung

1.Begriffsklärung
1.1Übersicht
1.2Zentrale Merkmale Demokratischer Schulen
1.3Definition der European Democratic
Education Community – EUDEC
1.4Stufen der Demokratie-Entwicklung
an Demokratischen Schulen

2.Ideengeschichtliche Zweige zur
Entstehung Demokratischer Schulen
2.1Libertäre Pädagogik
2.2Civic Education
2.3Kinderrechte machen Schule
2.4Quäkerpädagogik für den Frieden
2.5Schulen für die post-industrielle
Wissensgesellschaft
2.6Freilerner-Gemeinschaften
2.7Demokratische Schulbesetzungen

3."Demokratische Schule" als Label
3.1Yaacov Hecht – Hadera Democratic School
3.2Demokratische Schulen in Israel
3.3Internationalisierung

4.Schlussfolgerungen
4.1Demokratische Entscheidungskultur
4.2Lernfreiheit
4.3Verhältnis von Lernfreiheit und demokratischer Entscheidungskultur
4.4Exkurs

5.Anhang
5.1Demokratische Schulen in Deutschland
5.2Berühmte Absolventen
5.3Globale Liste Demokratischer Schulen

Literaturverzeichnis

2. Ideengeschichtliche Zweige zur
Entstehung Demokratischer Schulen


Soweit dies der aktuelle Forschungsstand vermuten lässt, verlief die Geschichte der Demokratischen Schulen unterschiedlicher ideengeschichtlicher Zweige anfangs zeitlich parallel, ohne voneinander beeinflusst zu sein und vernetzte sich danach immer mehr. Erst die Französische Revolution in Europa und die US-Staatsgründung in Amerika schufen die politischen Rahmenbedingungen für die Umsetzung (teilweise schon vorher fertiger) pädagogischer Konzepte. 1Auch heute noch befinden sich Demokratische Schulen ausschließlich in demokratischen Ländern. Die wenigen Ausnahmen sind in zeitweisen oder teilweise demokratischen Phasen (z. B. 2Ägypten, 3Thailand) entstanden und existieren dort (bis jetzt) unter den undemokratischen (Militär)Regierungen weiter.

Die historische Breite Demokratischer Schulen reicht von der Bauernkinderschule Jasnaja Poljana und der Straßenkinderschule First Street School in New York bis zum Internat Summerhill mit einem relativ hohen Schulgeld. Ihre Größe variiert zwischen sehr kleinen Schulen von wenigen Dutzend Schülern (LOS Deurne) bis hin zu mehreren hundert Schülern (Democratic School of Hadera: 500; SfE-Berlin: 800). Die pädagogische Bandbreite variiert zwischen Lebensgemeinschaften (Summerhill) und Tagesschulen, zwischen Erwachsenen- (SfE-Berlin) und Kleinkinderbildung, von Schulen mit angegliedertem Kindergarten (Democratic School of Hadera), sowie unterschiedlich radikaler Ausprägung von Freiheit (Sudbury-Modell im Vergleich zu Escuela libre Paideia) und Demokratie (Konsent-Prinzip der selbstverwalteten Soziokratischen Schule De Vallei PO im Gegensatz zur Einschränkung der Befugnisse der Schulversammlung auf Alltagsgeschehen in Summerhill).

Die Geschichte Demokratischer Schulen ist also offensichtlich sehr vielfältig und rückblickend betrachtet sehr verworren. Sehr oft verfließen pädagogische Elemente, ideologische Motivationen, politische Umstände und persönliche Besonderheiten der Gründer zusammen zu einem besonderen Konzept. Mir schien es daher sinnvoll die Demokratischen Schulen über ihre direkten Vorgänger zu einer Ursprungsschule/pädagogischen Einrichtung zurückzuverfolgen und bei dieser »Urschule« anzufangen, um einen Erzählstrang zu beginnen. Wie nachher gezeigt, liefen einige Erzählstränge parallel ab, bis sie sich immer mehr vernetzten und beeinflussten. Diese Urschulen bzw. ihre Gründer entspringen, soweit dies die Literaturrecherche vermuten lässt, einer spezifischen Motivation, bzw. wurden auf eine bestimmte Art und Weise in ihrer Sozialisation geprägt, die ihr pädagogisches Handeln bedingten. Sicherlich sind meistens mehrere Motivationen vorhanden gewesen, die jeweilige Schule zu gründen, doch im Allgemeinen wird eine Motivation besonders herausgestellt oder deutlich, bzw. ein(e) Erlebnis/Sozialisationsumgebung der Gründer ist offensichtlich konzeptuell prägend gewesen.

Ideengeschichtliche Zweige in diesem Sinne werden von Schulgründern/Schulen definiert, die ohne eine andere Demokratische Schule als Vorbild zu haben, quasi selbständig die Idee einer Demokratischen Kindergemeinschaft/Schule entwickelt haben. Wenngleich viele spätere Gründer nicht eindeutig zu einem der Zweige zugeordnet werden können und es wechselseitige Beeinflussung und inhaltliche Überschneidungen gab und gibt, so kann doch bei den ersten Schulen eines ideengeschichtlichen Zweiges meist eine Grundmotivation oder Sozialisation, bzw. bei den Nachfolgern ein dominanter historischer Einfluss ausgemacht werden.

Im Wesentlichen konnte ich so sieben verschiedene ideengeschichtliche Zweige ausmachen, die in ihrer praktischen Umsetzung zu Demokratischen Schulen geführt haben. Hierbei wird die Demokratie-Entwicklungsstufe 1 aus Kapitel 1.4 als Mindestkriterium für die Bezeichnung Demokratische Schule herangezogen. Das bedeutet, dass die Schule eine Schulversammlung mit gewissen Kompetenzen zur Organisation von Lernen und Alltag besitzt und selbstbestimmtes Lernen stattfindet. Diese Definition ist insofern sinnvoll, als dass diese Schulen alle grundsätzlich ein Menschen-/Kinderbild teilen, wie in Kapitel 1.4 erklärt und darüber hinaus konkrete Schritte zur strukturellen Implementierung einer Schülerselbstverwaltung unternommen haben.

Die Quellenlage zu den meisten Demokratischen Schulen ist entweder schlecht und/oder beinahe alle Quellen wurden von der Schule selbst veröffentlicht. Einzig für Summerhill gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher und ausführlicher Publikationen über einen großen Zeitraum, sowohl vom Gründer Alexander Sutherland Neill, als auch von Schülern, Lehrern, Besuchern, Journalisten und Wissenschaftlern.

Daher ist das Kapitel 2.2.1.3 Summerhill – Die vielleicht berühmteste Schule der Welt besonders ausführlich, um stellvertretend für alle Demokratischen Schulen, welche in der Mehrheit maßgeblich von Summerhill beeinflusst sind, zu zeigen, wie der Schulalltag einer Demokratischen Schule im Detail funktioniert, wie mit Krisen umgegangen wird, welche pädagogischen Ansichten vertreten werden und wie sich die Auswirkungen gestalten.

2.1 Libertäre Pädagogik


4»Der libertären Erziehungsbewegung und -konzeption geht es, allgemein und plakativ gesagt, um die Befreiung der Pädagogik von einer weltanschaulich geprägten und autoritären Erziehungspraxis. Sie richtet sich gegen Erziehungs- und Bildungsmaßnahmen, denen es um die Formung des Menschen, im Sinne bestimmter weltlicher oder religiöser Ideologien geht. Sie bekämpft metaphysisch determinierte Erziehungskonzepte und setzt an ihre Stelle das Konzept des freien Lernens in einer freien Erziehungsgemeinschaft.

Wir müssen in der libertären Erziehungskonzeption in erster Linie eine pädagogische Befreiungsbewegung sehen, der es um die Emanzipation der Kinder und Jugendlichen aus institutionalisierten pädagogischen Zwängen (Familie, Kindergarten, Schule, etc.) geht. Erziehungsprozesse werden hierbei als Sozialisationsprozesse aufgefasst, die nicht nur im System Schule ablaufen. Fremdgesteuerte Bildung und Erziehung findet ebenso in der Familie und anderen Institutionen statt. […] Bildung und Erziehung werden in der libertären Pädagogik zur »Praxis der Freiheit«, wo zukünftige »Strukturen einer Kulturrevolution« entwickelt werden. Wenn radikale Pädagogik Teil einer radikalen Bewegung ist, kann ihr Handeln nicht darin bestehen, ein neues Erziehungssystem in einem Vakuum zu schaffen.

Man muss Strategien entwickeln, die auf die politischen Realitäten des gegenwärtigen Erziehungssystems eingehen.« – Prof. Dr. Ulrich Klemm. Libertärer Pädagogik, auch anarchistische Pädagogik genannt, geht es also um radikale Strategien zur Erneuerung von Erziehungs- und Bildungsprozessen, die den Menschen als Ganzes erfassen mit dem Ziel eine freie und emanzipierte Gesellschaft zu schaffen. Damit ist der libertäre ideengeschichtliche Zweig klar politisch ausgerichtet. Denn er hat den Anspruch die Ideale, die in seiner Pädagogik verankert sind, durch die Erziehung auf die ganze Gesellschaft zu übertragen. 5Deutlich wird hier auch das anarchistische Ideal, dass der Weg (hier die Erziehung/Schule) zu einer sozialen und freien Gesellschaft bereits diese Ideale leben muss. Das heißt die Erziehung bzw. Schule soll so frei und sozial sein, wie möglich.

2.1.1 Leo Tolstoi & Jasnaja Poljana

6Leo Nikolajewitsch Tolstoi war ein russischer Schriftsteller und zählt weltweit zu den Klassikern im Genre des realistischen Romans. Tolstoi nimmt im Kontext der russischen Pädagogik des 19. Jahrhunderts einen herausragenden Platz ein und bündelt in den 1860er Jahren verschiedene Strömungen freiheitlicher Bildungs- und Erziehungsansätze. Er spielt damit für Russland nicht nur eine wesentliche Rolle im 19. Jahrhundert, sondern wirkt auch bis in die Zeit der Sowjetpädagogik hinein. Beeinflusst und beeindruckt von Tolstoi waren z. B. die Sowjetpädagogen Nadesha K. Krupskaja (1869–1939) und Stanislaw T. Schazki (1878–1934).

Lew Nikolajewitsch Tolstoi am Ende seines Lebens (1828–1910)

71875 erschien eine erweiterte und überarbeitete Neuauflage seines Schulbuches »Das Neue Alphabet«, das mit einer Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren zu einem der verbreitetsten Schulbücher im damaligen Russland wurde und ihn zu einem der berühmtesten russischen Pädagogen seiner Zeit machte. Es ist auf Basis einer von Tolstoi entwickelten Lese-Lern-Methode entwickelt. Einer der zentralen Aspekte dieser Methode ist die Vergegenwärtigung der Nützlichkeit der einzelnen Schritte des Lesen-Lernens.

8Des Weiteren basiert diese Methode auf Begeisterung und Freiwilligkeit beim Lesen (und Lernen allgemein) gegenüber starren Strukturen und autoritärem Auswendig lernen. Dennoch sah er seine Methode auch kritisch und wand sich im Laufe seines Lebens immer mehr dem Ideal einer Erziehung mit größtmöglicher Freiheit zu.

9»Der einfachste und natürlichste Gedanke, daß die Zeit für ein gutes mechanisches Lesen noch nicht gekommen war und daß gegenwärtig gar kein Bedürfnis danach vorliege, daß die Schüler die beste Methode schon selber finden werden, wenn das Bedürfnis sich einstellen wird – dieser Gedanken kam uns erst vor kurzem.«

10Tolstoi gründete 1859 auf dem Gut Jasnaja Poljana seiner Familie eine Bauernschule für die Kinder seiner zuvor von ihm befreiten Leibeigenen. Um...

Erscheint lt. Verlag 7.7.2021
Verlagsort Leipzig
Sprache deutsch
Themenwelt Schulbuch / Wörterbuch Lernhilfen Allgemeines / Lexika
Sozialwissenschaften Pädagogik
Schlagworte Alternative Bildung • Alternativschulen • Antipädagogik • Bildung • demokratische Bildung • Demokratische Schule • Demokratische Schulen • Freie Schule • Freie Schulen • Kindeswohl • Pädagogik • Unschooling
ISBN-10 3-937797-91-2 / 3937797912
ISBN-13 978-3-937797-91-5 / 9783937797915
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