Sag meinen wahren Namen! (eBook)
488 Seiten
epubli (Verlag)
978-3-7575-3734-0 (ISBN)
Melanie ist 1985 geboren. Sie liebte es bereits in der Schulzeit Geschichten zu erfinden. Diese Leidenschaft begleitet sie bis heute. Da ist es wohl Schicksal, dass sie mittlerweile in der Stadt lebt, die von einer märchenhaften Geschichte geprägt wurde.
Melanie ist 1985 geboren. Sie liebte es bereits in der Schulzeit Geschichten zu erfinden. Diese Leidenschaft begleitet sie bis heute. Da ist es wohl Schicksal, dass sie mittlerweile in der Stadt lebt, die von einer märchenhaften Geschichten geprägt ist.
Das Ende eines langen Schlafes
Ich fühlte nichts.
War eingehüllt in einer Blase; schwerelos, gefühllos, allein.
Schwerfällig, als hätte ich sie eine sehr lange Zeit nicht benutzt, öffnete ich meine Augen.
Zum ersten Mal bemerkte ich die Dunkelheit um mich herum. Es war wie ein Nichts, was mich verschluckt hatte. Eine undurchdringliche, beständige Leere.
Ich fühlte mich so aufgelöst und leblos wie ein Windhauch. Keine richtige Form, schemenhaft und unantastbar.
Dennoch hörte ich sie.
Stimmen. Dumpf und unverständlich. Ein Flüstern und Wispern.
Sie drangen von überall zu mir heran. Schwappten über mich wie Wellen, die durch die Flut unerbittlich an den Strand gespült wurden.
Wie lange hatte ich geschlafen? Ich wusste es nicht.
Jahrzehnte? Jahrhunderte?
Ich wollte es auch nicht wissen.
Ich wollte wieder schlafen.
Zurück…
Warum war es auf einmal vorbei?
Und was war das für ein Gefühl?
Etwas berührte mich; strich über meinen Körper. Erst sanft und elektrisierend, doch mit jeder Minute wurde es energischer. Was war das?
Ich wusste es nicht.
Doch dieses Gefühl…
Diese Stimmen…
Etwas zog vehement an mir. Kraftvoll! Ob ich mich bewegte? Ich konnte es nicht mich Sicherheit sagen. Die Leere um mich herum hatte Bestand.
Es war stark und mächtig! Wie Stromstöße durchfuhr es meinen Körper.
Die Gedanken und Gefühle wirbelten durcheinander, sie verschwammen und ich fühlte mich benommen. Ließ mich treiben.
Mit jeder Sekunde gewann das Ziehen an Stärke.
Ein Drängen, welchem ich nicht entkam.
Sanfte Konturen durchbrachen die Dunkelheit. Sie formten Gebilde und ein Zischen drang an meine empfindlichen Ohren.
Die Stimmen wurden lauter. Waren es Schreie?
Linien, Formen und Geräusche erfüllten die Umgebung. Anfangs unscharf gewannen sie mehr und mehr an Glanz und Klarheit.
Bäume. Wolken. Vögel. Wälder. Seen. Wann hatte ich das zuletzt gesehen? Gebäude, die mir so fremd erschienen, als seien sie aus einer anderen Zeit.
Plötzlich geschockt riss ich die Augen schmerzhaft weit auf.
Nein!
Nein, ich will nicht!
Bitte höre auf, lass mich hier!
Hier in der Dunkelheit, in der Einsamkeit.
Ich will nicht zurück!
Bitte tu mir das nicht an!
Lass mich nicht wieder all das Vergangene sehen…
Ich konnte nicht einmal mit Sicherheit sagen, warum ich das empfand, aber mit der wachsenden Klarheit des Umfeldes, welches ich wahrnahm, verspürte ich Angst und Frustration.
Ohne weiter nachzudenken drückte ich mich gegen den Zwang diesen stetig lauter werdenden Stimmen zu folgen. Dies durfte nicht passieren! Ich war nicht bereit; ich würde es nie sein!
Ich wand mich unter dem Druck. Drehte mich, rollte mich und trotzdem schwebte ich unaufhörlich etwas oder jemanden entgegen.
Ich flog durch die Luft.
Über mir bemerkte ich ein riesiges Gebilde, was ich nie zuvor gesehen hatte. Es glänzte in der Sonne. Glattes Metall, wie das eines Schwertes. Es wirkte wie ein Vogel. War aber viel zu starr und zu laut. Ein lautes Dröhnen fuhr in meine Ohren und betäubte für einen Augenblick das Flüstern der Stimmen. Direkt steuerte das Ungetüm auf mich zu.
Ich schrie aus voller Kehle, doch nichts war zu hören.
Gleich kam der Aufprall.
Doch wie ein Geist durchdrang ich die Hülle. Im Inneren des seltsamen Vogels waren Menschen. Viele Menschen. Sie saßen auf Sesseln, dicht nebeneinander. Meine Stirn runzelte sich, denn so etwas hatte ich noch nie gesehen. Jedoch war dieser Anblick schon vorüber, denn mein Körper schwebte auf der gegenüberliegenden Seite wieder hinaus.
Fassungslos sah ich diesem Gebilde nach, während ich kopfüber Stück für Stück weiter gezogen wurde.
Was passierte hier?
››Ich rufe dich!‹‹
Jetzt war es klar, klar und deutlich. Ein weibliche Stimme rief mich. Die Worte hauchten mir Leben ein.
Die Abwehr gegen diesen Ruf durchzuckte meine Knochen. Knochen, die ich lange nicht mehr gespürt hatte. Sie erwachten. Gerufen von jemanden, dessen Stimme ich nicht zuordnen konnte.
Unter mir erstreckten sich Ackerländer.
Nein! Lass mich gehen! Mein Schreien war tonlos.
››Ich rufe dich!‹‹ Der Klang war beinahe flehend.
Plötzlich wurde es dunkler. Die Abenddämmerung hielt Einzug und mit ihr ging mein Körper in einen sachten Sinkflug über.
Ein dichter Wald mit kräftigen Bäumen tauchte unter mir auf. Nur wenige Zentimeter über den Kronen schwebend ging mein unsichtbarer Pfad weiter. Ich wollte sie berühren, die Äste und Blätter spüren, doch sie glitten durch mich hindurch.
Blitzschnell zog es mich zu einer kleinen Lichtung. Und dann sah ich es: Ein mächtiger Bannkreis funkelte unter mir. Seine Linien glimmten in einem giftigen Grün, das über die Lichtung und bis zum Himmel griff.
Ein Kampf zwischen zwei Menschen und mehreren Dämonen tobte, während eine Frau einige Meter davon entfernt vor dem Kreis kniete.
Vielleicht waren es nur Sekunden, die verstrichen, als ich mich der Mitte des Bannkreises näherte, aber es kam mir vor wie eine Abfolge in Zeitlupe.
Die Frau schrie aus ganzer Kehle.
››Ich rufe dich, Dämon! Gehe einen Bund mit mir ein!‹‹ Die Welle der Magie, die sie beschwor, verwirbelte ihr braunes Haar. Das Gesicht vermochte man nicht zu sehen.
Ihre Schreie waren qualvoll, getränkt von Schmerz, Pein und Angst. Es war eindeutig sichtbar, dass sie der Macht, der sie sich bediente, nicht Herr war. Als würde ein Kämpfer um sie herum tänzeln und sie pausenlos attackieren, schossen Schnitte durch ihre Kleidung. Blut drang heraus.
Was passierte hier?
Ein Wimmern und Quieken gewann meine Aufmerksamkeit. Auf der anderen Seite versuchten zwei Männer eine kleine Schar von Dämonen daran zu hindern, der Frau zu Nahe zu kommen.
Noch während ich langsam sank, betrachtete ich das Geschehen, als jedoch meine Zehen den Bannkreis berührten, änderte sich das.
Elektrische Stromschläge zuckten durch meine Zellen, Venen, Arterien und mein Fleisch. Ein angenehmer Schmerz, der meine Wildheit weckte. Hitze stieg auf; ein sengendes, alles verzehrendes Feuer. Den Bruchteil eines Momentes schloss ich meine Augen und nahm alles in mir auf. Ein Gefühl von Leben, von Bestand und Existenz.
Als sich meine Lider wieder hoben, schaute ich sie direkt an. Ihr flehender Blick erschien mir völlig gleich. Angst und Schrecken lagen darin. Und sah ich da auch ein bisschen Respekt? Tränen bahnten sich ihren Weg über die Wangen. Der Mund verzerrt; die Lippen zitternd.
››Gehe ein Bündnis mit mir ein‹‹, flehte sie mich an und ihre Finger gruben sich in den Boden, als suche sie Halt. Die Frau beugte sich weit vor und machte sich so klein und so flach wie möglich.
Ich konnte nicht so recht fassen, was hier gerade geschah. Meine Hände erhoben sich, damit ich sie betrachten konnte. Viel zu lange hatte ich sie nicht mehr gesehen. Sie sahen so verändert aus.
Unfassbar.
Meines Körpers wieder bewusst, wagte ich einen ersten Schritt. Obgleich er leicht wackelig war, ich fiel nicht hin. Etwas berühren! Ich verspürte den Drang etwas zu berühren und somit einen Beweis zu haben, dass dieser Augenblick Wirklichkeit war!
Prompt schoss meine rechte Hand vor. Nichts bekam ich zu fassen, aber ein elektrischer Schlag ließ sie zurückschnellen. Blitze zuckten an der Stelle wo eben noch meine Hand gewesen war. Die grünen Linien unter mir loderten wie ein drohendes Feuer auf. Mein Verstand sagte mir, dass mich der Bannkreis einschloss. Er würde mich nicht entweichen lassen.
Allein diese Erkenntnis erinnerte mich an meine Wut. Das Glück des Lebens, welches mich eben noch durchzogen hatte, verschwand wie ein Blatt vom Wind getragen.
Wieder sprach sie mich an. Es war mehr ein Wimmern, als verständliche Worte: ››Bitte, ich flehe dich an, Dämon!‹‹
››Ich bin kein Dämon!‹‹, fauchte ich sie an und die Beleidigung legte sich sauer auf meine Zunge.
Plötzlich flog etwas metallisches direkt an meinem Kopf vorbei und landete dumpf auf dem Boden neben der Frau vor mir. Es schnitt in das Erdreich und zog einen langen Riss mit sich. Sie erschrak und hob ihren Kopf. Ihr Blick fiel starr auf das Geschehen hinter mir. Die blauen Augen weit aufgerissen, gewann sie meine Neugier.
Widerwillig drehte ich mich um.
Einer der beiden Männer hielt sich das Handgelenk. Es sah so aus als biss er die Zähne zusammen und Blut drang zwischen seinen Fingern hervor. Ein großer Dämon mit gewaltigen Hörnern erhob seine Klauen und schnappte nach ihm. Geschickt rollte er sich nach rechts weg.
Von der Seite her blitzte ein langes, leuchtendes Schwert auf. Mit geballter Kraft drückte es sich in die Flanke des Wesens. Von einem Schrei getragen, wurde es sofort wieder herausgezogen und erneut zu einem weiteren Angriff geschwungen.
Hinter mir hörte ich abermals die Stimme, die mich gerufen hatte. ››Bitte, es werden immer mehr. Hilf uns!‹‹
Sie hatte Recht. Aus dem Dickicht kamen weitere Dämonen. Ich kannte nicht alle beim Namen, aber es würden mit Sicherheit zu viele für zwei Männer sein.
Der Mann am Boden schüttelte den Kopf, als wollte er sich vergewissern, dass seine Augen sich irrten. Blitzschnell zog er einen Dolch aus einer Scheide an seinem Oberschenkel und warf ihn auf einen neuen Gegner. Das Monster grunzte nur. Ohne Anteilnahme zog er es heraus, warf es auf den Boden und brüllte ihn...
Erscheint lt. Verlag | 13.4.2023 |
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Verlagsort | Berlin |
Sprache | deutsch |
Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
Schlagworte | Beschwörung • Dämonen • Fantasy • Hexen • Magie • Magier • Zauberei |
ISBN-10 | 3-7575-3734-3 / 3757537343 |
ISBN-13 | 978-3-7575-3734-0 / 9783757537340 |
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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Größe: 558 KB
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