Natürliche Schöpfung-Geschichte - Band 216e in der gelben Buchreihe - bei Jürgen Ruszkowski (eBook)
509 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-9140-4 (ISBN)
Ernst Heinrich Philipp August Häckel, * 16. Februar 1834 in Potsdam - ? 9. August 1919 in Jena, war ein deutscher Mediziner, Zoologe, Philosoph, Zeichner und Freidenker, der ab den 1860er Jahren die Ideen von Charles Darwin zu einer speziellen Abstammungslehre ausbaute.
Ernst Heinrich Philipp August Häckel, * 16. Februar 1834 in Potsdam – † 9. August 1919 in Jena, war ein deutscher Mediziner, Zoologe, Philosoph, Zeichner und Freidenker, der ab den 1860er Jahren die Ideen von Charles Darwin zu einer speziellen Abstammungslehre ausbaute.
Zweiter Vortrag: Wissenschaftliche Berechtigung der Deszendenz-Theorie – Schöpfungsgeschichte nach Linné
Zweiter Vortrag: Wissenschaftliche Berechtigung der Deszendenz-Theorie – Schöpfungsgeschichte nach Linné
Die Abstammungslehre oder Deszendenz-Theorie als die einheitliche Erklärung der organischen Natur-Erscheinungen durch natürliche wirkende Ursachen. Vergleichung derselben mit Newtons Gravitations-Theorie. Grenzen der wissenschaftlichen Erklärung und der menschlichen Erkenntnis überhaupt. Alle Erkenntnis ursprünglich durch sinnliche Erfahrung bedingt, aposteriori. Übergang der aposteriorischen Erkenntnisse durch Vererbung in apriorische Erkenntnisse. Gegensatz der übernatürlichen Schöpfungs-Geschichten von Linné, Cuvier, Agassiz, und der natürlichen Entwicklungs-Theorien von Lamarck, Goethe, Darwin. Zusammenhang der ersteren mit der monistischen (mechanischen), der letzteren mit der dualistischen (teleologischen) Weltanschauung. Monismus und Materialismus. Wissenschaftlicher und sittlicher Materialismus. Schöpfungs-Geschichte des Moses. Linné als Begründer der systematischen Naturbeschreibung und Artunterscheidung. Linné's Klassifikation und binäre Nomenklatur. Bedeutung des Species-Begriffs bei Linné. Seine Schöpfungs-Geschichte. Linne's Ansicht von der Entstehung der Arten.
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Meine Herren! Der Wert einer jeden naturwissenschaftlichen Theorie wird sowohl durch die Anzahl und das Gewicht der zu erklärenden Gegenstände gemessen, als auch durch die Einfachheit und Allgemeinheit der bewirkenden Ursachen oder der wahren Erklärungsgründe. Je größer einerseits die Anzahl, je wichtiger die Bedeutung der durch die Theorie zu erklärenden Erscheinungen ist, und je einfacher andrerseits, je allgemeiner die Ursachen sind, welche die Theorie zur Erklärung in Anspruch nimmt, desto höher ist ihr wissenschaftlicher Wert, desto sicherer bedienen wir uns ihrer Leitung, desto mehr sind wir verpflichtet zu ihrer Annahme.
Denken Sie z. B. an diejenige Theorie, welche bisher als der größte Erwerb des menschlichen Geistes galt, an die Gravitationstheorie, welche der Engländer Newton vor 200 Jahren in seinen mathematischen Prinzipien der Naturphilosophie begründete.
Isaac Newton, * 25. Dezember 1642 in Lincolnshire – † in Kensington, war ein englischer Physiker, Astronom und Mathematiker an der Universität Cambridge und Leiter der Royal Mint.
Hier finden Sie das zu erklärende Objekt so groß genommen als Sie es nur denken können. Er unternahm es, die Bewegungs-Erscheinungen der Planten und den Bau des Weltgebäudes auf mathematische Gesetze zurückzuführen. Als die höchst einfache Ursache dieser verwickelten Bewegungs-Erscheinungen begründete Newton das Gesetz der Schwere oder der Massenanziehung, dasselbe, welches die Ursache des Falles der Körper, der Adhäsion, der Kohäsion und vieler anderen Erscheinungen ist.
Wenn Sie nun den gleichen Maßstab an die Theorie Darwins anlegen, so müssen Sie zu dem Schluss kommen, dass diese ebenfalls zu den größten Eroberungen des menschlichen Geistes gehört, und dass sie sich unmittelbar neben die Gravitations-Theorie Newtons stellen kann. Vielleicht erscheint Ihnen dieser Ausspruch übertrieben oder wenigstens sehr gewagt; ich hoffe Sie aber im Verlauf dieser Vorträge zu überzeugen, dass diese Schätzung nicht zu hoch gegriffen ist. In der vorigen Stunde wurden bereits einige der wichtigsten und allgemeinsten Erscheinungen aus der organischen Natur namhaft gemacht, welche durch Darwins Theorie erklärt werden. Dahin gehören vor allen die Formveränderungen bei der individuellen Entwicklung der Organismen, äußerst mannigfaltige und verwickelte Erscheinungen, welche bisher einer mechanischen Erklärung, d. h. einer Zurückführung auf wirkende Ursachen die größten Schwierigkeiten in den Weg legten. Wir haben die rudimentären Organe erwähnt, jene außerordentlich merkwürdigen Einrichtungen in den Tier- und Pflanzenkörpern, welche keinen Zweck haben, welche jede teleologische, jede nach einem Endzweck des Organismus suchende Erklärung vollständig widerlegen. Es ließe sich noch eine große Anzahl von anderen Erscheinungen anführen, die nicht minder wichtig sind, die bisher nicht minder rätselhaft erschienen, und die in der einfachsten Weise durch die von Darwin reformierte Abstammungs-Lehre erklärt werden. Ich erwähne vorläufig noch die Erscheinungen, welche uns die geographische Verbreitung der Tier- und Pflanzenarten auf der Oberfläche unseres Planten, sowie die geologische Verteilung der ausgestorbenen und versteinerten Organismen in den verschiedenen Schichten der Erdrinde darbietet. Auch diese wichtigen paläontologischen und geographischen Gesetze, welche wir bisher nur als Tatsachen kannten, werden durch die Abstammungslehre in ihren wirkenden Ursachen erkannt. Dasselbe gilt ferner von allen allgemeinen Gesetzen der vergleichenden Anatomie, insbesondere von dem großen Gesetz der Arbeitsteilung oder Sonderung (Polymorphismus oder Differenzierung); dieses Gesetz ist ebenso in der ganzen menschlichen Gesellschaft, wie in der Organisation des einzelnen Tier- und Pflanzenkörpers die wichtigste gestaltende Ursache, diejenige Ursache, welche ebenso eine immer größere Mannigfaltigkeit, wie eine fortschreitende Entwicklung der organischen Formen bedingt. In gleicher Weise, wie dieses bisher nur als Tatsache erkannte Gesetz der Arbeitsteilung, wird auch das Gesetz der fortschreitenden Entwicklung oder das Gesetz des Fortschritts, welches wir ebenso in der Geschichte der Völker, wie in der Geschichte der Tiere und Pflanzen überall wirken sehen, in seinem Ursprung durch die Abstammungs-Lehre erklärt. Und wenn Sie endlich Ihre Blicke auf das große Ganze der organischen Natur richten, wenn Sie vergleichend alle großen Erscheinungsgruppen dieses ungeheuren Lebensgebietes zusammenfassen, so stellt sich Ihnen dasselbe im Licht der Abstammungs-Lehre nicht mehr als das künstlich ausgedachte Werk eines planmäßig bauenden Schöpfers dar, sondern als die notwendige Folge wirkender Ursachen, welche in der chemischen Zusammensetzung der Materie selbst und in ihren physikalischen Eigenschaften liegen.
Man kann also im weitesten Umfang behaupten (und ich hoffe diese Behauptung im Verlauf meiner Vorträge zu rechtfertigen), dass die Abstammungs-Lehre uns zum ersten Mal in die Lage versetzt, die Gesamtheit aller organischen Naturerscheinungen auf ein einziges Gesetz zurückzuführen, eine einzige wirkende Ursache für das unendlich verwickelte Getriebe dieser ganzen reichen Erscheinungswelt aufzufinden. In dieser Beziehung stellt sie sich ebenbürtig Newtons Gravitations-Theorie an die Seite; ja sie erhebt sich vielleicht noch über dieselbe!
Aber auch die Erklärungsgründe sind hier nicht minder einfach, wie dort. Es sind nicht neue, bisher unbekannte Eigenschaften des Stoffes, welche Darwin zur Erklärung dieser höchst verwickelten Erscheinungswelt herbeizieht; es sind nicht etwa Entdeckungen neuer Verbindungs-Verhältnisse der Materie, oder neuer Organisationskräfte derselben; sondern es ist lediglich die außerordentlich geistvolle Verbindung, die synthetische Zusammenfassung und denkende Vergleichung einer Anzahl längst bekannter Tatsachen, durch welche er das „heilige Rätsel“ der lebendigen Formenwelt löst. Die erste Rolle spielt dabei die Erwägung der Wechselbeziehungen, welche zwischen zwei allgemeinen Lebenstätigkeiten der Organismen bestehen, den Funktionen der Vererbung und der Anpassung. Lediglich durch Erwägung des Wechselverhältnisses zwischen diesen beiden Lebenstätigkeiten oder physiologischen Funktionen der Organismen, sowie ferner durch Erwägung der gegenseitigen Beziehungen, welche alle an einem und demselben Ort zusammenlebenden Tiere und Pflanzen notwendig zu einander besitzen – lediglich durch richtige Würdigung dieser einfachen Tatsachen, und durch die geschickte Verbindung derselben ist es Darwin möglich geworden, in denselben die wahren wirkenden Ursachen (causae efficientes) für die unendlich verwickelten Gestaltungen der organischen Natur zu finden.
Wir sind nun verpflichtet, diese Theorie auf jeden Fall anzunehmen und so lange zu behaupten, bis sich eine bessere findet, die es unternimmt, die gleiche Fülle von Tatsachen ebenso einfach zu erklären. Bisher entbehrten wir einer solchen Theorie vollständig. Zwar war der Grundgedanke nicht neu, dass alle verschiedenen Tier- und Pflanzenformen von einigen wenigen oder sogar von einer einzigen höchst einfachen Grundform abstammen müssen. Dieser Gedanke war längst ausgesprochen und zuerst von dem großen Lamarck im Anfang unseres Jahrhunderts bestimmt formuliert worden. Allein Lamarck sprach doch eigentlich bloß die Hypothese der gemeinsamen Abstammung aus, ohne sie durch Erläuterung der wirkenden Ursachen genügend zu begründen. Und gerade in dem Nachweis dieser Ursachen liegt der außerordentliche Fortschritt, welchen Darwin über Lamarcks Theorie hinaus getan hat. Er fand in der physiologischen Vererbungs- und Anpassungs-Fähigkeit der organischen Materie die wahre Ursache jenes genealogischen Verhältnisses auf. Auch konnte der geistvolle Lamarck noch nicht über das gewaltige Material biologischer Tatsachen gebieten, welches durch die emsigen zoologischen und botanischen Forschungen der letzten achtzig Jahre angesammelt und von Darwin zu einem überwältigenden Beweis-Apparat verwertet wurde.
Die Theorie Darwins ist also nicht, wie seine Gegner häufig behaupten, eine beliebige, aus der Luft gegriffene, bodenlose Hypothese. Es liegt nicht im Belieben der einzelnen Zoologen und Botaniker, ob sie dieselbe als erklärende Theorie annehmen wollen oder nicht. Vielmehr sind sie dazu gezwungen und verpflichtet nach dem allgemeinen, in den Naturwissenschaften überhaupt...
| Erscheint lt. Verlag | 23.2.2023 |
|---|---|
| Reihe/Serie | gelbe Buchreihe | gelbe Buchreihe |
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sozialwissenschaften ► Ethnologie |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Schlagworte | Darwin • Darwinismus • Entwicklung • Medizin • Philosophie • Selektion • Spezies • Wissenschaft • Zoologie • Züchtungs-Lehre |
| ISBN-10 | 3-7549-9140-X / 375499140X |
| ISBN-13 | 978-3-7549-9140-4 / 9783754991404 |
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