Weinexperte in 24 Stunden (eBook)
208 Seiten
Goldmann Verlag
978-3-641-19913-5 (ISBN)
Jancis Robinson ist die weltweit anerkannteste Expertin für Rebsorten und Herausgeberin der umfangreichsten Wein-Enzyklopädie der Welt, dem Oxford Companion to Wine. Außerdem ist sie Special Advisor für den herausragenden Weinkeller von Queen Elizabeth II. und schreibt regelmäßig Kolumnen für große Zeitungen und Magazine.
Die Qual der Wahl
Tipps für den (W)Einkauf
Es kann ganz schön verwirrend sein, wenn man sich der riesigen Auswahl an Weinen gegenübersieht, die die meisten Händler anbieten, sei es im Geschäft oder online. Auf den nächsten Seiten gebe ich Ihnen zehn Tipps für den Weinkauf, wobei es eigentlich unmöglich ist, jemandem quasi per »Ferndiagnose« eine bestimmte Flasche zu empfehlen, ohne seine individuellen persönlichen Vorlieben zu kennen. Aber ich habe mir mit diesem Buch in erster Linie zum Ziel gesetzt, Weintrinkern genau die Informationen zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen, um eine kluge Entscheidung zu treffen.
Werde ich gefragt, wie man bei der Weinauswahl am besten vorgehen sollte, dann lautet mein Vorschlag stets: Wenden Sie sich vor Ort an einen unabhängigen Weinhändler Ihres Vertrauen. Supermärkte können zwar günstig große Mengen Wein einkaufen, was allerdings nur von Vorteil ist, wenn es um Weine im untersten Preissegment geht. Die Qualität spielt dabei nur selten eine Rolle. Deshalb ist es sinnvoll, sich an einen kleineren, unabhängigen Weinhändler zu wenden, der wirklich etwas von der Materie versteht und der beim Verkauf jeder einzelnen Flasche Wein mit Herzblut bei der Sache ist. Beim Weinkauf ist es (genauso wie beim Erwerb eines Buchs) hilfreich, dem Verkäufer zu schildern, was man mag und was nicht, damit er maßgeschneiderte Empfehlungen aussprechen kann. Ich rate Ihnen also, einem Fachmann zu beschreiben, welche Sorte Wein Sie gern trinken, damit er Ihnen entsprechende Weine empfehlen kann. Seien Sie dabei jedoch ruhig experimentierfreudig – erkundigen Sie sich auch mal nach hochpreisigeren oder qualitativ hochwertigeren Produkten.
Lesen Sie für den Anfang die Tabelle durch. Dort mache ich Ihnen Vorschläge auf der Basis Ihrer Vorlieben, nach dem Motto »Wenn Ihnen X schmeckt, werden Sie Y lieben« und rege dazu an, auch mal etwas Neues auszuprobieren.
Falls Sie die Entscheidung doch lieber allein treffen oder keinen Weinhändler vor Ort haben, zapfen Sie vor dem Kauf möglichst sämtliche verfügbare Informationsquellen an, ganz egal ob online oder in gedruckter Form. Um mehr zu erfahren, können Sie auch den Abschnitt »Die Wahl des Weins im Restaurant« zurate ziehen.
AUF ZU NEUEN UFERN!
Die Standardvariante
Die clevere Alternative
(teils billiger, oft interessanter)
Prosecco
Crémant du Jura, Crémant de Limoux
Champagner
Englischer Schaumwein
Bekannte Champagnermarken
(bei denen »N.M.« auf dem Etikett steht)
Winzer-Champagner
(bei dem »R.M.« auf dem Etikett steht)
Pinot Grigio
Österreichischer Grüner Veltliner
Neuseeländischer Sauvignon Blanc
Chilenischer Sauvignon Blanc
Puligny-Montrachet
Chablis Premier Cru
Mâcon Blanc, Pouilly-Fuissé
Weißwein aus dem Jura
Weißburgunder
Galizischer Godello
Meursault
Fino-Sherry oder Manzanilla-Sherry
Beaujolais
New-Wave-Rotweine aus Maule und Itata in Südchile
Argentinischer Malbec
Côtes-du-Rhône-Rotweine
Rioja
Spanischer Garnacha, Catalayud, Campo de Borja
Châteauneuf-du-Pape
Single-Estate-Wein (also aus den Trauben eines einzigen Weinguts) aus dem Languedoc-Roussillon
eleganter roter Bordeaux
Douro-Rotwein
Die Wahl des Weins im Restaurant
In einem Restaurant oder einer Bar hat man im Allgemeinen eine kleinere Auswahl als bei einem Händler, und die Margen sind ungleich größer (in der Regel beträgt der Aufschlag auf den Einkaufspreis in Restaurants zwischen 100 und 300 Prozent). Fehlentscheidungen kommen Sie hier also bedeutend teurer zu stehen. Die überwiegende Mehrheit der Restaurants verlässt sich seit jeher darauf, mit dem Verkauf alkoholischer Getränke den größten Gewinn zu machen, weil man für gewöhlich davon ausgehen kann, dass die Gäste den Preis eines Steaks eher einschätzen können als den einer bestimmten Flasche Wein. Allerdings wird es für Restaurantbetreiber zusehends schwieriger, ihre Gäste über den Tisch zu ziehen, denn heutzutage besitzt fast jeder ein Smartphone, mit dem man Webseiten wie beispielsweise Winesearcher.com konsultieren und sich über die weltweiten Verkaufspreise unzähliger Weine informieren kann. Außerdem gibt es hilfreiche Apps wie Raisinable, die die Weinkarten von Restaurants vergleichen und angeben, wo die geringsten Preisaufschläge zu erwarten sind (bislang allerdings nur für Restaurants in London und New York).
Wenn Sie auf die Auswahl eines Weins von der Weinkarte vorbereitet sein wollen, empfehle ich Ihnen, die zahlreichen Informationsquellen zu nutzen, die uns heutzutage zur Verfügung stehen. Viele Restaurants stellen ihre Weinkarte ins Internet, Sie können Ihre Recherche also schon im Vorfeld online erledigen. Versuchen Sie herauszufinden, wie die Weine, die Sie ansprechen, von bekannten Kritikern (ähem) und/oder von Webseiten wie zum Beispiel CellarTracker.com, Vinum.info oder Falstaff.de beurteilt wurden.
Wenn es Ihnen nicht möglich ist, vor dem Restaurantbesuch zu recherchieren, nehmen Sie Ihr Smartphone einfach mit und holen vor Ort rasch ein paar Erkundigungen zu den Weinen ein, die für Sie infrage kommen. Lesen Sie dazu auch meine Empfehlungen zum Thema Essen und Wein ab hier.
Wenn Sie sich nicht entscheiden können oder sich nicht genügend informiert fühlen, dann tun Sie das Naheliegendste und bitten den Weinkellner um Rat. Entgegen der landläufigen Meinung ist dies keineswegs ein Zeichen von Unwissenheit. Ich wage sogar zu behaupten, dass es von Selbstbewusstsein und Sachverstand zeugt, wenn man in dieser Frage einen Fachmann oder eine Fachfrau zurate zieht. Nur Gäste, die völlig ahnungslos sind, scheuen das Gespräch mit einem Sommelier. Dabei lieben es gute Weinkellner, wenn sie gelegentlich ein wenig fachsimpeln können. Zugegeben, die Mitglieder der »alten Garde«, die oft herzlich wenig über Wein wussten und eigentlich auch kein großes Interesse an diesem Getränk hegten, versteckten sich gern hinter einer Maske aus Hochmut. Heutzutage dagegen sind Sommeliers tendenziell richtige Liebhaber und gern bereit, Empfehlungen für die gewünschte Preiskategorie auszusprechen. Nennen Sie dem Kellner nach der Bestellung des Essens eine Sorte Wein, die Sie mögen, und einen Betrag, den Sie bereit sind auszugeben. Oder sagen Sie: »Wir hätten gern einen Rotwein und einen Weißwein. Was können Sie uns empfehlen?« Sie werden dem Kellner damit garantiert eine große Freude machen.
Übrigens ist es keine Schande, einen der Weine aus dem unteren Preissegment zu bestellen. Nur Oligarchen oder Ölmagnaten, die Gefallen daran finden, ihr Geld mit beiden Händen auszugeben, bestellen die teuersten Weine auf der Karte.
DIE ZEHN GEBOTE DES WEINKAUFS
- Hände weg von Flaschen, die im Schaufenster oder in der Nähe einer Hitze- oder Lichtquelle gelagert wurden. Wärme und Licht können einen Wein rasch seiner Fruchtigkeit und Frische berauben.
- Suchen Sie gezielt nach Weinen, die möglichst in der Nähe des Anbaugebiets abgefüllt wurden. Auf jedem Weinflaschenetikett muss die Adresse des Abfüllers (oder zumindest seine Postleitzahl) angegeben werden, falls es sich dabei nicht um den Winzer selbst handelt. Seien Sie misstrauisch bei Weinen, die beispielsweise aus Neuseeland stammen, aber in Großbritannien abgefüllt wurden. Immer häufiger kommt es vor, dass Wein in Containern statt in Flaschen um den halben Globus geschickt wird, was bei günstigem Wein aus ökologischer Sicht sinnvoll erscheinen mag. Doch seriöse Winzer werden darauf bestehen, ihre Weine selbst abzufüllen. Halten Sie bei französischen Weinen auf dem Etikett Ausschau nach dem Vermerk »Mis en bouteille au domaine/château«.
- Ist die Flasche mit einem Naturkorken verschlossen, dann kaufen Sie sie nur, wenn sie liegend gelagert wurde, denn auf diese Weise bleibt der Korken feucht, und es kann kein Sauerstoff in die Flasche gelangen.
- Überprüfen Sie den Füllstand im Flaschenhals. Wenn die Flasche aufrecht steht, sollte der Abstand zwischen Weinspiegel und Korken maximal zwei bis drei Zentimeter betragen. Ein größerer Abstand deutet darauf hin, dass der Wein bereits einer zu großen Menge an schädlichem Sauerstoff ausgesetzt war.
- Es kann ausgesprochen schwierig sein, sich die besten Jahrgänge der diversen Regionen einzuprägen. Eine hilfreiche Gedächtnisstütze ist in diesem Fall meine Fünfer-Regel: Alle Jahrgänge seit 1985, die durch fünf teilbar sind (also auf 5 oder 0 enden), waren ziemlich gut.
- Hüten Sie sich vor Weinen, bei denen auf dem hinteren Flaschenetikett allzu detailliert beschrieben wird, wie sie schmecken oder zu welchen Gerichten sie passen. Es könnte sich um exzessive Marketing-Schönfärberei handeln. Mich persönlich interessiert viel mehr, wie der Wein entstanden ist.
- Nehmen Sie Ihr Smartphone mit, damit Sie sich über die Beurteilungen und Meinungen von Weinkritikern und anderen Weinliebhabern informieren...
Erscheint lt. Verlag | 19.6.2017 |
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Übersetzer | Ursula C. Sturm |
Verlagsort | München |
Sprache | deutsch |
Original-Titel | 24-Hour Wine Expert |
Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Essen / Trinken ► Allgemeines / Lexika / Tabellen |
Schlagworte | Alkohol • eBooks • Gespräche • Kochbuch • Kochbücher • Kochen • Korkenzieher • Landwirtschaft • Ratgeber • Rebsorten • Rosé • Rotwein • Smalltalk • Wein • Weinberg • Weinkritiker • Weißwein |
ISBN-10 | 3-641-19913-1 / 3641199131 |
ISBN-13 | 978-3-641-19913-5 / 9783641199135 |
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