Blumenmeere (eBook)

330 Seiten
Heyne Verlag
978-3-641-32276-2 (ISBN)
Iris ist glücklich. Als Künstlerin hat sie in Boston eine gewisse Berühmtheit erlangt, sie lebt mit ihrer großen Liebe Tristan zusammen und hat mit Mia die beste Freundin an ihrer Seite, die sie sich nur wünschen kann.
Und dann zerbricht Iris' Glück in tausend Scherben, als sie mit einem Schlag beide Menschen verliert, die sie am meisten geliebt hat. Iris wird von Trauer und Schuldgefühlen überwältigt. Sie sucht Zuflucht bei ihrer geliebten Grandma June auf Martha's Vineyard, wo sie neuen Lebensmut findet. Ob der magische Ort mit den weiten Stränden und sanften Wellen dafür sorgen wird, dass sie sich irgendwann auch der Liebe wieder öffnen kann?
Der erste Band der gefühlvollen 'Coastlines'-Reihe
Manuela Inusa wollte schon als Kind Autorin werden. Mit Ende zwanzig beschloss die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin, sich ganz aufs Schreiben zu konzentrieren. Nach einigen Publikationen gelang ihr 2017 der Durchbruch: Die »Valerie Lane«-Reihe eroberte die SPIEGEL-Bestsellerliste im Sturm. Mit den »Kalifornischen Träumen« und »Lake Paradise« folgten weitere Bestsellerreihen. Die »Coastlines«-Reihe, in der sie ihre Leser*innen an idyllische Orte an der US-Ostküste entführt, ist Manuela Inusas erste Reihe im Heyne Verlag. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Hamburg und schreibt am liebsten bei Musik, Tee und Kerzenlicht. Ihre Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt.
1
Boston, heute
Sie stand vor dem Bild, das ein Mädchen mit einem Strauß blauer Veilchen in den Händen zeigte, und betrachtete es zufrieden. Dieses Bild war ihr das liebste, vielleicht, weil sie blaue Blumen schon immer allen anderen vorgezogen hatte, vielleicht aber auch, weil es sie an ihre Schwester Violet erinnerte, die ihr die ganze Welt bedeutete.
Sie spürte, wie Tristan von hinten an sie herantrat, und drehte sich in ihrem eng anliegenden schwarzen Kleid zu ihm um. »Hey«, sagte sie und schenkte ihm ein Lächeln. »Hast du was zu trinken gefunden?«
Tristan, der einen maßgeschneiderten dunkelgrauen Anzug trug, reichte ihr ein weiteres Glas Champagner. Er selbst hielt etwas in der Hand, das nach einem Smoothie aussah.
»Ja, zum Glück haben sie hier auch was Gesundes.«
Sie musste innerlich schmunzeln. Das war typisch Tristan. Er war so ein Gesundheitsfanatiker – ganz anders als sie. Doch bei ihnen beiden traf tatsächlich das wohlbekannte Sprichwort zu, dass Gegensätze sich anzogen.
Tristan legte einen Arm um ihre Hüfte und studierte das Bild ihrer neuen Serie, das sich die letzten Monate noch in ihrem Atelier befunden hatte, jetzt aber in dieser wunderschönen Galerie aushing. Der Abend war allein ihren Werken gewidmet, etwas, wovon Iris noch vor wenigen Jahren nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Zumal sich die Galerie auch noch in der angesagten Newbury Street in Bostons Back Bay befand, wo praktisch jeder Künstler gern ausgestellt werden würde. Die Vernissage an diesem Freitagabend war nun die Eröffnung der dreiwöchigen Ausstellung, auf der Iris ihre achtzehn Blumenmädchen präsentieren durfte.
»Ich bin ungemein stolz auf dich«, sagte Tristan.
Iris konnte nur erneut lächeln und wusste jetzt schon, dass sie das an diesem wunderbaren Abend noch sehr oft tun würde.
Violet und Mia traten zu ihnen. Ihre Schwester umarmte sie zum wiederholten Mal. »Ich kann es noch immer nicht glauben! Eine ganze Galerie voll mit deinen Bildern!«, sagte sie überwältigt.
»Ja, ich denke auch immer noch, ich träume«, erwiderte Iris.
»Und diese Blumenmädchen …« Violet schüttelte fassungslos den Kopf. »Wie real die wirken. Ich meine, das Veilchenmädchen sieht genauso aus wie ich als Siebenjährige.«
Iris nickte selig. Das war ihr in Bezug auf diese Serie schon des Öfteren gesagt worden. Dass die Mädchen so wirklichkeitsgetreu erschienen und die Gesichter so ausdrucksstark.
Mia legte den Kopf ein wenig schräg und schließlich grübelnd einen Finger ans Kinn. »Warum noch mal lächelt keines dieser Mädchen?«
»Weil nun mal nicht alle kleinen Mädchen glücklich sind«, erklärte sie. »Lächelnde Kinder zeichnen kann jeder, ich aber habe es auf das Besondere abgesehen.«
»Deprimierte kleine Geschöpfe?«, fragte Mia, doch sie schmunzelte dabei, und Iris wusste, dass ihre Freundin sie nur ein wenig necken wollte.
Sie stupste sie an. »Hey, pass auf, was du sagst, sonst lade ich dich nie wieder auf eine meiner Vernissagen ein.«
»Na, du bist ja zuversichtlich«, meinte Mia mit ihrem typischen trockenen Humor.
»Gleich schütte ich dir meinen Champagner ins Gesicht«, drohte Iris, und Tristan musste lachen.
Wahrscheinlich hätte er das zu gern gesehen. Es war nicht so, dass er und Mia sich nicht mochten, aber warm geworden waren die beiden auch nie so richtig miteinander. Es gab zwischen ihnen nach wie vor eine gewisse Distanz. Vielleicht lag es daran, dass Tristan mit Mias neckischer Art nicht klarkam oder daran, dass sie kurz mal für ihn geschwärmt hatte, bevor Iris und er ein Paar wurden. Vielleicht aber waren die beiden einfach nur zu unterschiedlich, um beste Freunde werden zu können. Und das fand Iris auch gar nicht weiter schlimm, die Hauptsache war doch, dass sie ihr zuliebe miteinander auskamen. Etwas anderes hätte sowieso nicht funktioniert, gehörten die beiden doch zu den wichtigsten Menschen in ihrem Leben.
»Grandma June hat mir übrigens den größten Blumenstrauß geschickt, den ihr euch vorstellen könnt«, fiel ihr da ein.
»Er ist beachtlich. Wir haben nicht einmal eine passende Vase dafür gefunden und mussten ihn in einen Eimer stellen«, fügte Tristan hinzu.
»Typisch June«, meinte Mia.
»Hey, was? Grandma hat dir Blumen geschickt?«, meldete sich Violet empört zu Wort. Immerhin hatte sie erst vor Kurzem den Blumenladen ihrer Großmutter übernommen, und diese Blumen waren offensichtlich nicht bei ihr bestellt worden.
»Es sind ganz besondere«, beschwichtigte Iris sie sogleich. »Welche, die nur auf Martha’s Vineyard wachsen oder so.« Dorthin war Grandma June vor einigen Wochen gezogen, um sich zur Ruhe zu setzen. Sie alle konnten noch immer nicht glauben, dass die alte Dame Boston den Rücken gekehrt hatte. Und sie wussten, dass sie das niemals getan hätte, wäre June’s Flowers nicht in der Familie geblieben.
»Na dann …«, sagte ihre Schwester, die eine würdige Nachfolgerin war, wie Iris fand. Schließlich fragte Violet Mia, ob sie sich noch ein Glas Champagner holen wollten.
»Bei Champagner sage ich nie Nein«, erwiderte die und hakte sich bei Violet ein. »Wollt ihr auch noch etwas? Tristan? Noch so ein schleimiges grünes Getränk?« Sie zwinkerte Tristan zu.
Er bedachte Mia mit einem nicht sehr belustigten Blick. »Nein danke, ich bin versorgt.«
Mia und Violet schlenderten davon, Tristan sah den beiden kurz kopfschüttelnd hinterher und schenkte seine Aufmerksamkeit wieder ganz Iris. »Meiner bescheidenen Meinung nach hättest du noch einen viel größeren Blumenstrauß verdient. Nein, eine ganze Wagenladung voll.«
»So süß von dir«, erwiderte sie und drückte ihm einen dicken Kuss auf den Mund.
Eine Minute später sah sie Nicole Myers, die Inhaberin der Bay Gallery, auf sich zukommen. Die Frau strahlte förmlich.
»Wir haben gerade ein weiteres Bild verkauft«, verkündete sie mit leiser Stimme, als sie sie erreicht hatte. Es war bereits das dritte Bild des Abends. Das dritte, das einen roten Klebepunkt erhielt.
»Das ist ja großartig!«
»Ich gratuliere!«, sagte Tristan und zog sie noch ein wenig näher an sich.
»Tut mir leid, euch Turteltauben trennen zu müssen«, meinte Nicole dann. »Aber Iris, da möchte dich jemand kennenlernen, ein wirklich bedeutender Kunstprofessor. Kommst du kurz mit?«
»Ja, klar.« Sie sah sich schnell nach Violet und Mia um und entdeckte sie am anderen Ende des Raums. »Vielleicht magst du dich zu den beiden gesellen? Ich bin gleich wieder bei dir«, sagte sie zu Tristan und folgte Nicole.
»Darf ich bekannt machen?«, meinte die Galeristin kurz darauf, während ein ergrauter älterer Herr Iris schon die Hand schüttelte. »Die Künstlerin des Abends: Iris Hill.«
»Sehr erfreut«, sagte der Mann, den Nicole ihr sogleich als William Carlile vorstellte und der nicht nur Professor an der School of Visual Arts in Boston war, sondern auch ein begeisterter Kunstsammler. »Ich habe gerade schon zu meiner Frau gesagt, dass ich es grandios finde, wie realitätsgetreu Ihre Bilder wirken. Und meine Frau meinte … Barbara, erzähl es ihr selbst.«
Barbara, die Frau, ebenfalls Kunstkennerin, ergriff das Wort. »Also, mich beeindrucken besonders die Augen. Dass Sie sie überdimensional gemalt haben, ist zwar ein Charakterzug, den ich schon bei einigen Künstlern gesehen habe, und doch erkenne ich, je länger ich Ihre Bilder betrachte, die Besonderheit Ihrer Arbeit. Ich bin schwer beeindruckt: Was Sie den Mädchen in den Blick gelegt haben, Miss Hill, ist außergewöhnlich. Diese Tiefe – das habe ich nur selten erlebt, höchstens noch bei Margaret Keane. Man kann überhaupt nicht mehr wegsehen, will ergründen, was im Innern der Mädchen versteckt liegt. Möchte ihre Geschichten erfahren.«
Iris kribbelte es am ganzen Körper. Mit Margaret Keane verglichen zu werden, war einfach nur überwältigend. Sie bewunderte die Malerin nämlich sehr, ihr Lieblingsbild von ihr war In the Garden von 1964, das ein kleines, trauriges Mädchen inmitten von Blumen zeigte.
Der Professor nickte zustimmend. »Ja, ich gebe meiner Frau recht. Und ich muss Sie einfach fragen: Was ist die Geschichte dieses Mädchens?« Er deutete auf das Sonnenblumenmädchen, vor dem sie standen.
Iris lächelte verzückt, und sie nahm aus dem Augenwinkel wahr, dass Nicole ebenso angetan war von dem Interesse des Ehepaars. »Es tut mir leid, aber wenn ich Ihnen das erzählen würde, dann würde ich dem Ganzen ja den Reiz nehmen. Blicken Sie tief und erkennen Sie selbst, was die Mädchen Ihnen zu erzählen haben.«
»Wie gemein von Ihnen«, sagte der Professor, lachte aber dabei und nahm es ihr nicht übel. Wahrscheinlich war er es gewohnt, dass Künstler ihre Geheimnisse hatten. Ohne diese wäre die Kunst doch eine viel langweiligere und durchschaubarere Angelegenheit.
»Trinken Sie ein Glas Champagner mit uns?«, fragte der Professor, und seine Frau schalt ihn: »Nun versuch aber nicht, die junge Dame abzufüllen, nur um ihr eventuell doch noch etwas zu entlocken.«
»Das würde ich nie wagen!«, sagte William Carlile. »Aber auf solch eine gelungene Ausstellung muss man einfach anstoßen.«
Da stimmte Iris ihm zu und als sie nun ein weiteres Glas entgegennahm, war sie froh, dass Tristan nur grüne Smoothies trank und sie am Ende des Abends sicher nach Hause bringen würde.
Sie blickte sich nach ihm um. Er stand bei Violet, Mia und einem Mann mit Elvis-Tolle. Die vier schienen sich gut zu amüsieren, ebenso wie alle anderen, und...
Erscheint lt. Verlag | 1.3.2025 |
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Reihe/Serie | Coastlines |
Sprache | deutsch |
Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
Schlagworte | Beste Freundin • Blumen • eBooks • Frauenromane • Große Gefühle • Große Liebe • Großmutter • Heilung • Kalifornische Träume • Liebesromane • martha's vineyard • Meer • Romane für Frauen • Schicksalsbewältigung • Schicksalsschlag • Schuld • Schwester • Tod • tragisch • Trauer • Urlaubslektüre • Valerie Lane • Verlust |
ISBN-10 | 3-641-32276-6 / 3641322766 |
ISBN-13 | 978-3-641-32276-2 / 9783641322762 |
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