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Für immer (eBook)

Spiegel-Bestseller
Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
320 Seiten
btb (Verlag)
978-3-641-31631-0 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
18,99 inkl. MwSt
(CHF 18,55)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
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An einem gewöhnlichen Tag Anfang Juni kommt die Zeit zum Stehen. Niemand stirbt, niemand wird mehr geboren. Die neue Ewigkeit verändert das Lebensgefühl der Menschen: Die Rentnerin Margo will ausgelassen das Leben feiern und auf Reisen gehen - doch ihr pflanzenliebender Ehemann Otto möchte seine Balkonblumen nicht alleine lassen. Für die Fotografin Jenny gibt es nichts Schöneres, als die geschenkte Zeit mit ihrer Familie im Sommerhaus zu verbringen. Trotzdem plagt sie das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen. Und die Krankenschwester Eva erlebt die Sorge der Schwangeren, die nicht wissen, wann ihre Babys zur Welt kommen. Überall im Land rätselt man, warum die Menschen aus dem Lauf der Zeit herausgefallen sind. Ist es ein Virus, ein alter Zauber oder eine Verschwörung böser Mächte? Und warum geht in der Natur der Kreislauf von Werden und Vergehen unvermindert weiter? Feinfühlig und mit viel Wärme schreibt Maja Lunde in ihrem neuen großen Roman über das Leben im Jetzt, die eigene Endlichkeit und über unsere Verbindung zur Natur.

Maja Lunde wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Sie ist eine bekannte Drehbuch- sowie Kinder- und Jugendbuchautorin. »Die Geschichte der Bienen« war ihr erster Roman für Erwachsene, der zunächst national und schließlich auch international für Furore sorgte. Das Buch stand monatelang auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Es folgten »Die Geschichte des Wassers«, »Die Letzten ihrer Art« und »Der Traum von einem Baum«, mit dem sie 2023 ihr literarisches »Klimaquartett« abschloss. Außerdem veröffentlich sie mit der bekannten Illustratorin Lisa Aisato erfolgreiche All-Age-Bücher wie »Die Schneeschwester« und »Die Sonnenwächterin«.

Otto


»Darf ich die Kletterrose mitnehmen?«, fragte Otto.

An diesem Tag, dem 6. Juni, stand er in seinem eigenen sonnendurchfluteten Wohnzimmer, einem Zimmer voller Artefakte, im Laufe eines ganzen Lebens gesammelt: Bücher, die er nicht mehr las, Alben, in denen er seit vielen Jahren nicht mehr geblättert hatte, Schulaufnahmen von den beiden Söhnen, Bilder von der Hochzeit seines Älteren neben dem vergilbten Hochzeitsfoto von Margo und ihm. Und Staub, all der Staub, der sich hinter den Rahmen und auf den Büchern gebildet hatte. Otto war von seinen vertrauten Dingen und seinem Hausstaub umgeben und fühlte sich in diesem Zimmer trotzdem wie ein Fremder. Denn viele seiner Sachen befanden sich schon in Pappkartons, und bald war dies nicht mehr sein Zimmer.

»Darf ich die remontierende Kletterrose an der Südwand ausgraben und mitnehmen?«

Der Immobilienmakler blickte von seinem Handy auf.

»Sie meinen … Sie wollen eine Gartenpflanze mitnehmen?«

»Ich habe sie vor 15 Jahren gepflanzt, die Wurzeln reichen wahrscheinlich tief in den Boden, aber ich glaube, es wäre trotzdem möglich, sie auszugraben … selbstverständlich kann ich sie ersetzen, ich werde kein Loch hinterlassen … ich könnte etwas anderes pflanzen, etwas Pflegeleichteres vielleicht, wie wäre es mit einer Kletterhortensie, die ist nicht so anfällig für Läuse?«

»Aber mein Lieber.« Margo lächelte und legte ihm die Hand auf den Arm.

Otto drehte sich zu dem jungen Paar um, das in weniger als einer Woche in ihr Haus einziehen würde und nun schaute, ob es einen Teil von Ottos und Margos Möbeln übernehmen wollte, die diese in ihrer neuen, engen Wohnung nicht unterbringen konnten.

»Ich wollte nur fragen.«

Die junge Frau nickte und legte eine Hand auf ihren großen Bauch. »Ja?«

Und er wusste nicht, ob das Ja bedeutete, dass er gerne fragen dürfe, oder ob er die Rose tatsächlich mitnehmen konnte. Deshalb wandte er sich wieder zum Makler, der dazugekommen war, weil Margo meinte, es solle »sicherheitshalber bei allem, was mit der Abnahme zu tun hat«, dabei sein, und der gerade eindeutig mit Wichtigerem beschäftigt war, sicher eine laufende Auktion, neues Geld, das es zu verdienen gab.

»Ich wollte gar keine Schwierigkeiten machen«, fuhr Otto fort. »Aber vermutlich gibt es ja Regeln für so etwas, genau wie für Haushaltsgeräte und festes Inventar.«

Der Makler lächelte angestrengt, während er widerstrebend sein Handy wieder einsteckte. »Wenn das für Sie in Ordnung ist«, sagte er zu dem jungen Paar – Dan und Anne, wenn Otto sich recht erinnerte, oder doch Anna? –, »wenn die Pflanze ersetzt wird, hätte ich nichts dagegen.«

»Es ist eine sehr warme Wand. Wie gesagt, ich würde eine Kletterhortensie empfehlen«, sagte Otto.

»Ja …?«, sagte Dan, und Otto dachte, diese jungen Menschen sollten dringend mal ihren Wortschatz erweitern.

»Ehrlich gesagt bin ich kein Experte auf dem Gebiet«, erklärte der Makler, »aber Hortensien erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit, diese ganzen Omapflanzen sind ja wieder stark im Kommen.«

»Ich spreche nicht von einer Gartenhortensie, sondern von einer Kletterhortensie«, versuchte Otto der jungen Frau gegenüber klarzustellen, weil er dachte, sie hätte in dieser Angelegenheit vielleicht das letzte Wort.

»Aber Otto, mein Lieber«, sagte Margo, diesmal lauter.

»Wir kennen uns mit dem Gärtnern eigentlich nicht so gut aus«, gestand Dan.

»Aber wir freuen uns darauf, mehr darüber zu lernen«, ergänzte Anna begeistert. »Und wenn Sie eine Kletterhortensie empfehlen, ist das bestimmt gut.«

»Eine Kletterhortensie, dann einigen wir uns doch darauf.« Der Makler zog erneut sein Handy hervor. »Und es ist nett, dass Sie gefragt haben. Es gibt keine dummen Fragen. Merken Sie sich das.«

»Wir werden es uns merken«, sagte Otto.

Siehst du, dachte er und blickte zu Margo, siehst du, man kann einfach fragen. Es gibt nicht für alles Regeln, das ist nicht wie mit den Haushaltsgeräten.

Margo erwiderte seinen Blick und murmelte: »Ich verstehe nur nicht, wo du diese riesige Rose hinstellen willst?«

»In einen Kübel auf die Terrasse.«

»Aber braucht die nicht sehr viel Erde?«, fragte Margo, und wieder hob sie die Stimme.

»Es muss ein großer Kübel sein. Vielleicht kann ich aber auch ein Hochbeet da draußen anlegen«, antwortete er und bemerkte, dass die anderen ihr Gespräch verfolgten.

»Und einen Sack Erde nach dem anderen die Treppen hochschleppen?«

Dan räusperte sich.

»Ich kann sie doch wohl mit dem Aufzug transportieren, den du dir schon so lange gewünscht hast«, entgegnete Otto.

»Eine gute Vorbereitung auf das Alter ist das Klügste, was man machen kann«, sagte der Makler. »Viele Leute warten zu lange. Der Aufzug wird eine Wohltat sein. Den haben Sie sich nach all den Jahren verdient.«

Einen Aufzug verdienen, dachte Otto, kann man sich einen Aufzug verdienen?

»Wir freuen uns so«, sagte Margo. »Diese ganzen Erleichterungen werden herrlich sein.«

»Das kann ich mir vorstellen«, sagte Anna.

»Ja, alles hat seine Zeit«, sagte Dan.

»Denk nur mal daran, wie viel Arbeit uns künftig erspart bleibt«, sagte Margo.

Otto sagte nichts.

Der Makler räusperte sich. »Ja … ich habe den Trockner und das Schlafsofa in dem einen Gästezimmer notiert. Und die Gartenmöbel. Dann wären wir wohl so weit?«

»Mir ist noch etwas eingefallen, das Sie wissen sollten«, antwortete Margo und ging zum Beistelltisch. »Hier ist eine Macke im Parkett. Deshalb haben wir den Teppich darübergelegt.«

Sie zog ihn beiseite, um es zu zeigen.

»Da hat unser Jüngster mal die Bratpfanne fallen lassen.«

Der Makler, Dan und Anna betrachteten die Macke.

»Solche Abnutzungserscheinungen sind einkalkuliert«, sagte der Makler.

»Wir werden sowieso einen neuen Boden verlegen, wenn wir hier renovieren.« Dan lächelte.

»Renovieren?« Margo war das Lächeln vergangen. »Aber das Parkett ist doch fast neu.«

»Es ist 13 Jahre alt«, sagte Otto.

»Natürlich, es ist wirklich schön. Überhaupt ist Ihr Objekt in einem überaus gepflegten Zustand.« Der Makler drehte sich zu dem jungen Paar um. »Sie haben Glück.«

»Ja, wir schätzen uns auch sehr glücklich«, sagte Anna.

»Wir auch.« Margos Stimme ließ Otto innerlich schaudern. »Ein Sommer ohne Rasenmähen, wie schön das wird!«

Otto schwieg. Denn nichts, was er gerne geantwortet hätte, war für andere Ohren bestimmt als für Margos. Ich finde, uns ging es gut in unserem Haus. Ich mochte unsere gemeinsamen Tage. Ich mochte es, draußen im Garten zu arbeiten und mit Erde unter den Fingernägeln hineinzugehen, um eine Tasse Kaffee mit dir zu trinken. Ich mochte auch die Zeit, die wir getrennt voneinander verbracht haben, die Unterbrechungen, weil ich dich anschließend wieder wie neu kennengelernt habe. Ich kann mir nicht vorstellen, wie wir die Zeit in unserer neuen Wohnung füllen sollen, welche Ablenkung wir haben oder was wir ohne das Haus machen sollen, ich kann mir nicht vorstellen, wer du und ich an einem neuen Ort sein werden.

All das hatte er Margo so oft zu sagen versucht, aber das Einzige, was sie gehört hatte, war, dass er seinen Garten liebte, nicht ohne den Garten leben konnte, dass der Garten das Wichtigste in seinem Leben war.

Der mit dem Garten, nannten die Nachbarn ihn. Du weißt schon, Otto, der mit der Blumenwiese und den Gemüsekisten und den schönsten Frühlingsblumen, Schneeglöckchen, gemischt mit hübschen Blausternen, die von den Narzissen abgelöst wurden, die wiederum so lange stehen durften, bis sie langsam welkten und in einer Pracht verschiedener Sorten knallroter holländischer Tulpen untergingen. Otto, der mit dem Rücken zur Welt stand, in grünen Gummistiefeln, den Unkrautstecher in der linken Hand, denn er war Linkshänder, Otto, Linkshänder von ganzem Herzen, das hatte ihm nicht einmal die Volksschule in den 1950er-Jahren austreiben können.

Otto mit dem Garten.

Der Garten und er waren eins. Es gab immer etwas zu tun, das ihn ins Freie lockte, so war das eben, der Garten nahm sich nie frei, machte keinen Feierabend. Selbst im Winter nicht, wenn er völlig schneebedeckt war und Margo beileibe nicht verstehen konnte, warum es Otto ständig nach draußen zog. Die Vogelhäuser mussten jeden Tag mit Futter gefüllt werden, was Margo nicht bedachte, und manchmal wehten nachts die Hafergarben herunter, auffällig oft, sagte sie und behauptete, er habe sie zu schlecht festgebunden. Auch das Schneeschippen zählte zu seinen Aufgaben, sobald ein paar Zentimeter fielen, mussten die Einfahrt und die Vortreppe geräumt werden, und alle Wege dort draußen, zum Vogelhaus, zur Pergola, zum Geräteschuppen. Und im Frühling bekam er dann richtig viel zu tun. Zuerst musste der Schnee schmelzen, und manchmal brauchte Otto mehrere Tage, um ihn von den Beeten auf die Straße zu schaufeln, damit er schneller verschwand. Dann kamen April und Mai, und er rechte das alte Laub zusammen und zog zur Belüftung des Rasens mit einer Harke Rillen in die Oberfläche, zerhäckselte die welken Stauden und bedeckte damit die Beete, bis die Stückchen langsam zerfielen. Anschließend folgte die Wachstumsphase, wie jetzt, wenn das Unkraut aus dem Boden schoss und die Sisyphusarbeit begann.

Otto liebte es, Sisyphus zu sein, so wie er die langen hellen Tage draußen liebte, an denen er mit einer...

Erscheint lt. Verlag 15.1.2025
Übersetzer Ursel Allenstein
Sprache deutsch
Original-Titel Lukkertid
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte "die geschichte der bienen" • eBooks • Klimaquartett • Mensch und Natur • Neuerscheinung 2025 • Norwegen • Roman • Romane • schneeschwester • Skandinavien • Spiegel-Bestseller-Autorin • Tod • Unsterblichkeit • Zeit
ISBN-10 3-641-31631-6 / 3641316316
ISBN-13 978-3-641-31631-0 / 9783641316310
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