Perry Rhodan Neo 206: Letzte Hoffnung Mimas (eBook)
160 Seiten
PERRY RHODAN digital (Verlag)
978-3-8453-4906-0 (ISBN)
1.
Leutnant Youbakan
CREST II, Zentrale
Es war erst ihre dritte Schicht in der Zentrale, und sie fühlte noch immer einen Anflug von Stolz, sobald sie zwischen all den höherrangigen Offizieren ihre Arbeit verrichtete.
Der Chef der Bordsicherheit, Yuudai Nakamura, hatte ihr den Posten vorübergehend und zur Probe zugeteilt. Sie wusste daher, dass sie, falls sie es nicht versaute, befördert werden würde. Youbakan, geboren auf Ceres im Asteroidengürtel, konzentrierte sich auf die Anzeigen in den Hologrammen ihrer Arbeitsstation.
So kurz vor der Transition ins heimatliche Sonnensystem dominierten die Klarschiffmeldungen. Das Rendezvous mit der NATHALIE war planmäßig verlaufen. Das Raumboot der jungen Rhodans war seitdem im oberen Großhangar verankert. Jessica, die Schwester von Ronald Tekener, war ebenfalls an Bord. Die Verletzung ihres Bruders war für Perry Rhodan Grund genug gewesen, das Trio zu informieren und zur CREST II zu bitten. Man hatte sich in der Nähe der Wega getroffen. Dort hatte sich zugleich Icho Tolot mit der DOLAN in eigener Sache verabschiedet, aber seine baldige Rückkehr in Aussicht gestellt.
Der Countdown für den Sprung näherte sich der Minutengrenze.
Am Platz rechts neben ihr kontrollierte Oberleutnant Luca Angelico die Energiesysteme der CREST II. Er war ebenfalls ein Neuling der Zentralebesatzung und tippte Youbakan nun gegen die Schulter. »Hey.«
Sie sah ihn fragend an. »Was?«, flüsterte sie.
Angelico deutete mit einer Kopfbewegung in den hinteren Bereich der Zentrale. »Wie ist das wohl, so als Protektor, wenn die eigene Frau die Kommandantin des Schiffs ist?«
Youbakan wagte einen flüchtigen Blick. Die Arkonidin Thora Rhodan da Zoltral saß aufrecht, beinahe aristokratisch wirkend, im Sitz des Kommandanten und schien die Ruhe selbst zu sein. Etwas weiter im Hintergrund unterhielt sich Perry Rhodan, der einen leichten Bordanzug trug, mit dem Ilt. Sie saßen in bequemen Sesseln und plauderten angeregt miteinander.
»Er scheint keine Probleme damit zu haben«, wisperte Youbakan.
Hamza Obafemi Azikiwe, der Pilot der CREST II, verkündete laut, dass es noch zwanzig Sekunden bis zur Transition seien.
In diesem Moment spürte Youbakan das Kribbeln. Eine Art Juckreiz, der ihre beiden Fußsohlen erfasste. Unruhig bewegte sie ihre Zehen in den Stiefeln, verkrampfte und entspannte sie wieder. Das unangenehme Gefühl wollte trotzdem nicht vergehen. Erst zweimal in ihrem Leben hatte sie so etwas bemerkt. Und jedes Mal hatte sich direkt im Anschluss eine lebensverändernde Katastrophe ereignet.
Sie erinnerte sich an die Explosion an Bord der KAZINGA, die ihr die Eltern genommen hatte, und an den Beinaheabsturz der Korvette während des Ausbildungsflugs. Das Kribbeln hatte sie gewarnt. Ihre Eltern hatte sie damals nicht vor dem Tod bewahren können, ihre Kameraden an Bord der Trainingskorvette aber hatten überlebt, weil Youbakan ihrem Instinkt und dem Juckreiz in den Füßen gefolgt war.
Die Hauptpositronik übernahm das Zählen bei Zehn.
Youbakan verspürte das Kribbeln nun sehr intensiv. Sie kämpfte mit ihren inneren Dämonen, wollte Meldung machen, doch was hätte sie sagen sollen? Es wird etwas passieren, ein Unfall, eine Katastrophe. Wir werden vermutlich sterben.
Nein, es war erst ihre dritte Schicht in der Zentrale. Es war nur ein Gefühl, vielleicht Einbildung. Sie war sich nicht sicher genug.
Die Tests, ob sie eine Mutantin mit Parafähigkeiten war und kurze Momente einer Zukunft vorhersagen konnte, waren sämtlich negativ ausgefallen. Sie war ein ganz normaler Mensch. Nichts Besonderes. Wie groß wäre die Blamage, würde sie einen falschen Alarm auslösen! Sie wollte unter keinen Umständen negativ auffallen.
Nichts deutete auf kommendes Unheil hin. Sie war an Bord des modernsten Raumschiffs, das die Menschen je gebaut hatten. Der Stolz der Terranischen Flotte. Was sollte schon geschehen?
Sie wappnete sich bei Drei für den Transitionsschmerz, den sie hasste, obwohl er zu ihrem Job dazugehörte. Während andere damit prahlten, sich daran gewöhnen zu können, spürte sie bei jedem Sprung eine heiße Klinge, die von Mal zu Mal tiefer in die Windungen des Gehirns eintauchte.
Der Schmerz vergeht, dachte sie und konzentrierte sich auf die Atmung.
Bei null setzten die Strukturfeldkonverter ihre Energie frei. Um den Kugelraumer herum entfaltete sich ein Feld, das ihn vom Einsteinraum trennte und in für Menschen nicht wahrnehmbare Realitäten schleuderte. Im All entstand ein Riss im Kontinuum an der letzten Position. Winzige Teilchen, denn wirklich leer ist der Weltraum nie, glühten auf. Etwas reagierte mit den Protonen, Elektronen und Ionen. Niemand war in der Nähe, das grünliche Leuchten aufzuzeichnen. Aber es waberte wie ein von Wind durcheinandergewirbelter Nebel, wurde stetig dunkler und finsterer, bis die Lichterscheinung mit der Schwärze des Hintergrunds verschwamm.
Jupiter-Orbit
In vollkommener Stille und mit der Anmut einer springenden Balletttänzerin entfachte die Eruption eines frisch entstandenen Schwefelvulkans ein wahres Höllenfeuer. Dunkelgelb bis dunkelbraun gefärbte Wolken fegten mit beinahe einem Kilometer pro Sekunde in die Magnetosphäre des Monds hinauf. Eintausend Grad heiß, reagierten die chemischen Verbindungen mit ionisierten Teilchen im Torus, der sich entlang der Umlaufbahn von Io um Jupiter gebildet hatte. Ein naturgeneriertes Feuerwerk ohne einen einzigen Zuschauer.
Der Große Rote Fleck des mächtigsten Planeten im Solsystem rollte majestätisch über die riesige Kugel, unbeeindruckt vom Schauspiel im Orbit.
Wie klein im Vergleich zur Gewalt des Kosmos ist der Mensch, wie fehl am Platz der Stolz auf seine technischen Errungenschaften. Denn selbst das größte Raumschiff ist im All nur wie eine Nuss in der Hand eines Riesen.
Ein kleiner Felsbrocken taumelte, hin und her gerissen von Gravitationskräften unterschiedlicher Richtungen, in das Schwerkraftfeld von Io, zog dicht an der glühend heißen Wolke aus flüssigem und gasförmigem Schwefel vorbei. Sein Tempo erhöhte sich durch den Einfluss der Masseanziehung des Monds und der Asteroid entging nur knapp dem Schicksal einer völligen Vernichtung.
Aus dem Fels lösten sich Partikel und bildeten einen Schweif, der wie der Funkenregen einer Silvesterrakete auf Ios Oberfläche niederging.
Erneut spie der Jupitermond Material durch den Bruch seiner Kruste. Aus dem Vulkanschlot eruptierten Tonnen flüssigen Schwefels. Doch dieses Mal fanden sie ein Ziel.
Leutnant Youbakan
CREST II, Zentrale
Das glühende Messer stocherte in ihrem Kopf. Unerwartet heftig traf sie der Schmerz, der von einem Schwindel begleitet wurde. Da war kein Oben mehr und kein Unten. Sie vermochte nicht mal festzustellen, ob sie saß oder lag, ob sie stand oder stürzte. Ihr komplettes Ich zerfiel in Einzelteile, so wie der Körper, der in Fragmente zerbrochen schien. Youbakan wollte schreien. Es gelang ihr nicht.
Sie riss die Augen auf und war doch blind. Über das Rauschen in ihren Ohren hinweg setzten sich langsam bruchstückhafte Sätze durch.
»Strukturfelder kollabiert – Fehltransition – Schutzschirme ausgefallen – Kurs korrigieren – Strahlungsalarm!«
Und dazwischen immer wieder eine starke, vollkommen abgeklärte weibliche Stimme, die Kommandos gab. »Schwung mitnehmen, Mister Azikiwe, Antrieb volle Kraft!«
Youbakans Körperempfinden kehrte allmählich zurück. Sie rieb sich die Augäpfel mit verkrampften Fäusten. Irgendwo musste es brennen, Kunststoff, der verschmorte, ein stechender Geruch in der Nase. Ihr Gehirn nahm Lichtreflexe und erste kontrastarme Bilder wahr. Sie war nicht blind. In den Statusholos vor ihr leuchteten rote Punkte, zahlreicher als Kerzen an einem Weihnachtsbaum. Die CREST II hatte es schwer erwischt.
»Wir fliegen auf den Auswurf eines Vulkans zu«, meldete Sarah Maas.
»Ausweichen!« Thoras schneidende Stimme.
»Die Steuerung reagiert nur träge, Ma'am«, rief Azikiwe. »Die Positronik ist beeinträchtigt. Wir müssen mittendurch!«
Im nächsten Moment flackerte die Beleuchtung. Gravitationsspitzen pressten Youbakan in den Sitz und ließen sie keuchen. Ein Automatikalarm erklang, gellte in ihren Ohren. Mit Schrecken erkannte sie, wie sich die Zahl der Schadensmeldungen beinahe verdoppelte. »Ausfall der primären und sekundären Schutzschirme«, machte sie laut Meldung. »Der Antigrav hat Aussetzer, im Haupthangar sind die Prallfelder und Traktorkrallen betroffen.«
»Verdammt!«, hörte sie die Erste Offizierin fluchen. »Wir haben nahezu sämtliche Fünf-D-basierten Systeme verloren.«
»Strahlungsalarm«, kam der Warnruf der Positronik.
»Azikiwe! Bringen Sie uns hier weg!«, befahl die Kommandantin.
»Die Antriebsleistung ist auf zwanzig Prozent gefallen, Ma'am. Damit schaffen wir es nicht. Jupiters Anziehungskraft ist zu stark, wir sind zu nah. Ich versuche ein altmodisches Orbitmanöver, um Schwung zu holen.«
Youbakan registrierte die eintreffenden Berichte über Verletzte. Besatzungsmitglieder, die von ausgefallenen Antigravschächten betroffen waren. Vitalwertanzeigen, die nichts Gutes verhießen. Mehrere kritische Notfälle hatten sich ereignet. Youbakan schickte Meldungen an das medizinische Personal, erteilte die Freigabe für alle Roboter, damit diese von den Spezialisten eingesetzt werden konnten.
»Mist!«, flüsterte Luca Angelico neben ihr wie im Selbstgespräch. Mit lauter Stimme verkündete er:...
| Erscheint lt. Verlag | 8.8.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Perry Rhodan Neo |
| Verlagsort | Rastatt |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Neo • Perry Rhodan • Perryversum • Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-8453-4906-9 / 3845349069 |
| ISBN-13 | 978-3-8453-4906-0 / 9783845349060 |
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