Raumschiff Rubikon 17 Die verpuppte Kolonie (eBook)
240 Seiten
Uksak E-Books (Verlag)
978-3-7389-2443-5 (ISBN)
Prolog
Im Dorf der Angks verging kein Tag ohne Überraschungen. Jelto liebte diese kleine, fast autarke Welt innerhalb der RUBIKON, seit Aylea ihn zum ersten Mal mit zu ihren Freunden genommen hatte. Der grünäugige Mann mit der natürlichen Affinität für alles Pflanzliche war normalerweise kein sehr geselliger Charakter; nicht jedenfalls, wenn es um die Gesellschaft mit anderen Menschen ging. In seinem Garten, umgeben von den schillerndsten Gewächsen, erfreute er sich sehr wohl an deren faszinierenden und stimulierenden »Stimmen«. Sie, die einzelnen Gattungen der Flora, die er an Bord zum Leben und viele zu voller Blüte erweckt hatte, waren sein Ersatz für eigene biologische Kinder. Mit ihnen stand er in permanenter Zwiesprache, in unablässigem geistigen Austausch … den kein Außenstehender auch nur ansatzweise zu verstehen vermochte.
Obwohl – einer vielleicht, aber der besuchte Jelto nicht sehr oft: Algorian, der Telepath. Jelto war sich nicht sicher, ob sein aoriischer Freund der Versuchung, in seinen Gedanken zu espern, immer zu hundert Prozent widerstehen konnte. Bei manchen Zusammenkünften hatte der Pflanzenhüter durchaus das Gefühl gehabt, dass der Freund, während er sich mit ihm unterhielt, auch in die tiefer gelegenen Schichten seines Bewusstseins getastet hatte – aus keinem verwerflichen Motiv heraus, sondern vermutlich aus der natürlichsten Charaktereigenschaft intelligenter Geschöpfe überhaupt heraus: einer unstillbaren, brennenden Neugier auf alles, was fremd und in gewisser Weise unverständlich blieb.
Wie Jelto eben.
Er war ein Mensch, natürlich, aber darüber hinaus besaß er auch ein sehr exotisches Flair, denn sein »grüner Daumen«, seine spezielle Begabung, sich in jedwede Vegetation hineinversetzen zu können, war nicht natürlichen Ursprungs. Dafür war er gezüchtet worden, als psionisch begabter Klon auf der Erde … lange bevor diese sich in eine gespenstische »Hohlwelt« verwandelt hatte.
Jelto seufzte. Die Erinnerung an ihren zurückliegenden Besuch im irdischen Sonnensystem barg viel Schmerz für ihn. Alles dort hatte sich verändert. Es gab kaum noch einen Wiedererkennungsfaktor für einstige Bewohner dieses Planeten. Für Jelto eine psychische Zerreißprobe, wobei er sich gleichzeitig bewusst war, dass es für John, Scobee und Jarvis noch um einiges niederschmetternder gewesen sein musste. Denn für diese drei hatte sich das Bild der Erde seit ihrem Aufbruch ins Weltall bereits zum zweiten Mal radikal gewandelt.
Im Jahr 2041 hatte eine Zeitmanipulation sie um zweihundert Jahre in die Zukunft verschlagen. Die Keelon-Master hatten zu diesem Zeitpunkt – als Jelto vermeintlich friedlich in seinen Wäldern um das Getto lebte – bereits eine Erde ganz nach ihrem Gusto geformt, nur mehr bewohnt von rund 150 Millionen Menschen, die zugleich die Creme de la creme darstellten, was ihre genetische Qualität betraf. Eine dieser 150 Millionen war Aylea, die jedoch ausgestoßen und ins Getto deportiert worden war, wo sie später denselben Mann traf, der auch Jelto aus seinem Scheuklappendasein herausgerissen hatte: John Cloud, ihr Freund und Commander.
Seither waren sie fast unablässig zusammen. Nicht immer auf engstem Raum, aber meistens an Bord desselben Fabelschiffs, der RUBIKON.
Und dieses Schiff hatte unlängst einen Quantensprung vollzogen – nicht etwa, weil es mit neuer Technik ausgestattet worden war, sondern … mit einer neuen, abenteuerlichen Besatzung beschenkt wurde. Von den Bractonen.
Mehrere tausend Menschen irdischen Ursprungs, aber im Angksystem der ERBAUER groß geworden, waren als neue Crewmitglieder willkommen geheißen worden. Und nach einem Verwirrspiel, das die Bractonen, jene Schmetterlingswesen aus einem anderen Kontinuum, bewusst initiiert hatten, war die Neucrew nun auch voll in den Schiffsalltag integriert, ungeachtet ihrer fast magischen Fähigkeit, bei Bedarf buchstäblich mit der RUBIKON zu verschmelzen und sie mit ihren Paragaben zu unterstützen.
Aylea hatte also Freundschaft mit den Angks geschlossen, mit allen, aber mit einem ungefähr gleichaltrigen Mädchen namens Winoa im besonderen. Das Spaßige daran war, dass Jelto Winoa schon vor Aylea gekannt hatte, weil sie ihn öfter in seinem hydroponischen Garten besuchte. Dass die beiden zusammengefunden hatte, freute ihn sehr. Vorher hatte Aylea keinen Gleichaltrigen gehabt, mit dem sie ganz normale Teenagerprobleme hätte besprechen können. Scobee bemühte sich zwar nach Kräften, die Rolle der mütterlichen Freundin auszufüllen, aber selbst zwischen ihnen lag fast eine ganze Generation – von dem kulturellen Unterschied einmal ganz abgesehen.
Eigentlich waren fast alle »Altmitglieder« der Besatzung Vertreter einer ganz eigenen Mentalität, oft sogar Angehörige völlig unterschiedlicher Spezies: Cy, der Aurige, Jiim und Yael, die beiden Nargen, Algorian, der Aorii (der den Verlust seines Hassbruders Rofasch immer noch nicht völlig verschmerzt hatte) und die sehr – sehr! – gegensätzlichen Menschen John Cloud, Scobee, Jarvis, Aylea und …
… ich. Jelto seufzte. »Und ihr seid euch sicher?«, fragte er, um seine Gedanken wieder auf das Wesentliche zu fokussieren, den Grund, weshalb er ins Dorf der Angks gekommen war.
Es war eine denkwürdige Zusammenkunft auf dem »Marktplatz« des holografisch aufgepeppten Mannschaftsquartiers. Viele waren persönlich gekommen, aber Jelto wusste, dass auch etliche seinen Besuch in ihren Häusern verfolgten, via Liveschaltung, die Sesha ermöglichte.
Er hatte das Rampenlicht immer gescheut, und auch jetzt fühlte er sich unter den Blicken Hunderter eher unbehaglich.
Rotak, der ehemalige Lebenspartner von Johns neuer Freundin Assur, trat vor; er hatte sich in den letzten Tagen zum Sprecher der Angks gemausert und war allgemein anerkannt. Jelto mochte die zurückhaltende Art des hageren Mannes, der ungefähr in seinem Alter war, rechnete man den Angkkalender auf irdischen Standard um. Rotak und Assur waren die Eltern von Winoa … und so schloss sich der Kreis bekannter Gesichter wieder. Jelto lächelte, und Rotak erwiderte dieses Lächeln freundlich. Aber es war unwahrscheinlich, dass er die richtigen Schlüsse zog, warum ihr Besucher schmunzelte.
»Völlig sicher, teurer Freund. Es ist unser inniger Wunsch, Schein gegen Wirklichkeit einzutauschen, Schritt für Schritt und wo immer es machbar ist. Der Commander ist informiert, er hat seine Einwilligung gegeben. Nichts spräche dagegen, hat er gesagt. Und auch wir wüssten keinen logischen Grund, ein Verbot auszusprechen. Es schadet niemandem, im Gegenteil. Und wenn Ihr, verehrter Jelto euch ...
| Erscheint lt. Verlag | 2.9.2019 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-7389-2443-4 / 3738924434 |
| ISBN-13 | 978-3-7389-2443-5 / 9783738924435 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Größe: 1,5 MB
Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopierschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persönlichen Nutzung erwerben.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich