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Vorwort RIESEN vogelspinnen sind die typischen, düsteren Vogelspinnen der Filmbranche schlechthin. Sie sind mit ihren mehr als 10 cm Körperlänge und 30 cm Spannweite tatsächlich riesig, leicht reizbar und dazu noch dunkel gefärbt, also die richtigen Spinnen für einen Horrorfilm. Dass aber die Vogelspinnen der Gattung Theraphosa dieses Image zu Unrecht haben und es sich bei ihnen um sehr interessante Terrarientiere handelt, möchte ich mit diesem Buch zeigen. Ein weiteres Anliegen ist es mir, darzulegen, dass Theraphosa keineswegs nur dem sehr erfahrenen Halter vorbehalten sein muss. Auch dem Anfänger sind diese Spinnen bei Beachtung einiger wichtiger Grundsätze sehr dankbare Pfleglinge. Die beiden am häufigsten genannten Argumente, die Riesenvogelspinnen als "Anfängerspinne" disqualifizieren, sind ihre "unheimliche Aggressivität" und die "schwierige Haltung". Beide möchte ich mit diesem Buch widerlegen. Neben meiner mehr als 20-jährigen Erfahrung in der Haltung von Vogelspinnen möchte ich dazu auch meine Beobachtungen im Habitat von Theraphosa in Venezuela einbringen. So konnte ich die größten Vogelspinnen der Welt in der Natur beobachten, aber keine Exemplare, die ihre Brennhaare abstreiften, geschweige denn sich drohend einem möglichen Angreifer entgegenstellten. Alle waren nicht aggressiv, sondern ganz im Gegenteil eher sehr schreckhaft. Sobald man einen unbedachten Schritt machte, waren die Tiere in ihrer Wohnröhre verschwunden und kamen nicht wieder zum Vorschein. Selbst die ansonsten erfolgreichen Lockversuche der einheimischen Piaroa waren dann zwecklos. Hält man Theraphosa im Terrarium, so kann man das gleiche schreckhafte Verhalten beobachten, wenn die Tiere sich in ihre sichere Höhle zurückziehen können. Hat die Spinne dagegen keine ausreichenden Rückzugsmöglichkeiten und wird weiterhin gestört, so versucht sie zuerst, den Angreifer mit Brennhaaren abzuschrecken. Hilft dies jedoch nicht, geht sie zum Angriff über. Aus diesem Missverständnis rührt die scheinbare Aggressivität nicht nur bei Theraphosa, sondern auch bei vielen afrikanischen und asiatischen Vogelspinnen. Mit ausreichendem Bodengrund und entsprechendem Versteck kann man auch das zweite "Problem" mit Theraphosa einfach aus dem Weg räumen: die "schwierige Haltung". Sieht man sich an, wie Riesenvogelspinnen in der Natur leben, so lassen sich viele Haltungsfehler von vornherein vermeiden. In ihrer Heimat, den Regenwäldern des nördlichen Südamerikas, herrschen nicht, wie häufig immer noch in Vogelspinnenbüchern zu lesen, konstante "Sauna-Temperaturen" (30 °C und 100 % relative Luftfeuchte). Vielmehr können die Temperaturen im Amazonasgebiet Venezuelas (dem Habitat von T. blondi) am Fuß der Tepuis durchaus während der Nacht bis auf 10 °C absinken, aber auch wie im Habitat von T. apophysis am Tag auf 40 °C ansteigen. Da Theraphosa bis zu 1 m tiefe Wohnröhren gräbt, sind die Temperaturschwankungen im Inneren der Wohnröhre nur gering. Neben möglichen Unterschieden zwischen Temperaturen im natürlichen Habitat und im Terrarium sind auch die Feuchtigkeit des Bodengrundes sowie die Luftfeuchtigkeit Thema vieler Diskussionen. Es ist aber gerade die zu feuchte und zu warme Haltung der Riesenvogelspinnen, die eine mögliche Ursache für Probleme ist. Hierdurch entstehen unnötige Komplikationen, und es wird ungerechtfertigt auf eine "schwierige Haltung" geschlossen. Heute werden Theraphosa-Arten regelmäßig nachgezüchtet und zunehmend häufiger angeboten, da die Vermehrung aufgrund stabiler Zuchtgruppen mittlerweile konstant möglich ist. Durch die regelmäßige Nachzucht und Haltung im Terrarium konnten bisher viele Erkenntnisse über Biologie und Verhalten der größten Spinnen der Welt gewonnen werden, die ohne die Haltung im Terrarium nie möglich gewesen wären. Umso mehr freue ich mich, dass mir internationale Kollegen, Züchter und Halter Informationen zur Verbreitung der Tiere sowie zu Problemen und Erfolgen bei der Haltung und Zucht zur Verfügung gestellt haben, sodass dieses Buch wohl die umfassendsten bisher veröffentlichten Informationen über beide Theraphosa-Arten enthält. Auch wenn die erwachsenen Weibchen der Riesenvogelspinnen nicht besonders farbenfroh gezeichnet sind, so handelt es sich doch aufgrund ihrer eindrucksvollen Größe und des interessanten Verhaltens um faszinierende Terrarientiere. Boris F. Striffler |
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