Vorwort Inhaltsverzeichnis
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Vorwort zur zweiten Auflage



Da ich es nicht mit einigen Aktualisierungen des Textes von 1999 bewenden lassen wollte, entschied ich mich für eine komplette Neubearbeitung und Neugestaltung des Buches. Gleich geblieben ist das wissenschaftliche Fundament. Es waren Hans-Günther Richter und Karin-Sophie Richter-Reichenbach, die im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts ihre epochal neuen theoretischen Entwürfe und Handlungsmodelle für das Gebiet der pädagogisch orientierten Kunsttherapie zu Wege brachten und uns Jüngeren dadurch einen ganz neuen Horizont für das Arbeiten in den integrations- und sonderpädagogischen Feldern eröffneten. Die nun in der vorliegenden Neuausgabe niedergeschriebenen und dokumentierten Anwendungen, Versuche und Experimente verstehen sich dabei als Variationen, Weiterentwicklungen und Transformationen des durch Hans-Günther Richter und Karin-Sophie Richter-Reichenbach Vorentworfenen.

Beschränkte ich mich in der Erstauflage noch auf den schulischen Förderschwerpunkt der emotionalen und sozialen Entwicklung, so kommt dieses Mal eine Vielfalt weiterer integrations- und sonderpädagogischer Förderschwerpunkte mit ins Spiel. Auch werden neben dem Schulunterricht eine Reihe außerschulischer Handlungsfelder, wie auch das ästhetisch fundierte Coaching der Pädagoginnen und Pädagogen selbst, miteinbezogen. Ich hatte beim Schreiben das große Glück, aus einer Fülle an Praxiserfahrungen schöpfen und Materialien entsprechend breitgefächert auswählen zu können. Ich profitierte dabei zum einen von meiner sechzehnjährigen Unterrichtstätigkeit an einer ganzen Serie von integrativen Grund- und Hauptschulen sowie diversen Sonderschulen der Schwerpunkte Emotionale und Soziale Entwicklung sowie Lernen.

Weiterhin flossen hier mit ein meine langjährigen Erfahrungen als Lehrtherapeut für Kunsttherapie an der erew-Akademie Viersen, meine Tätigkeit als Art Counselor in zahlreichen bilateralen und internationalen Projekten und Sommerworkshops, wie den deutsch-französischen Sommerprogrammen für behinderte und nichtbehinderte junge Menschen, dem Sommerworkshop der High/Scope Educational Research Foundation, Ypsilanti (Michigan, USA), den Universitären Sommercamps bzw. SkyLight-Camps für hochintelligente und hochmotivierte Kinder und Jugendliche, schließlich Erfahrungen aus Coaching-Sitzungen, in denen unter anderem ästhetische Prozesse eine Rolle spielten, daneben Erfahrungen aus Workshops, die ich zu Kongressen durchgeführt habe, schließlich Erfahrungen aus den Lehrveranstaltungen an der Heilpädagogischen Fakultät der Universität zu Köln, die ich dort als Privatdozent angeboten habe. Sowohl mit den Kölner Studierenden als auch mit den Kollegiaten der erew-Akademie habe ich, oftmals auch in Kooperation mit Künstlerinnen und Künstlern, eine Serie von kunsttherapeutisch orientierten Projekttagen an Grund- und Sonderschulen sowie in integrativen Kindergärten im Sinne eines Training-on-the-Job realisiert. All dies ist abgerundet worden durch meine eigenen Versuche und zugleich die Bemühungen meiner Frau Karin Anna Jung-Bröcher (die dankenswerterweise einige Materialien aus ihrem Kunstunterricht zu diesem Buch beigesteuert hat), die ästhetische Erziehung und Bildung unserer eigenen Kinder Jan und Philipp zu fördern, zu unterstützen und zu begleiten.

Eine Zeitspanne von zwanzig Jahren Beschäftigung mit Kunst, Kunstpädagogik und Kunsttherapie ist es nunmehr, die mir rückblickend zur Verfügung steht. Eine Fülle an Materialien hat sich über die Jahre angesammelt, in Originalform oder als Fotodokument, auch wenn zugleich in der Dichte des pädagogischen und familiären Alltags Vieles verloren gegangen ist. Es galt, sich in der Auswahl der Materialien für das Buch zu beschränken. Handlungsleitend waren dabei die Prinzipien Aufzeigen von Vielfalt, Ausloten von neuen Möglichkeiten und der exemplarische Charakter der ästhetischen Verfahren und Materialien.

Was sich jetzt in dem Buch befindet, an Theorie, Praxisschilderung und Bildmaterial, das gehört auch unbedingt hinein. Mehr sollte es nicht werden, weniger durfte und konnte es nicht werden. Schreiben und gestalten musste ich das Buch, allein um die Ernte aus den genannten zwanzig Jahren einzufahren, aber auch weil mich Verlag und verschiedene Personen in Theorie und Praxis gebeten haben, Ihnen den Band zur Verfügung zu stellen. Da ist er nun. Mögen ihn einige nutzen, um sich inspirieren zu lassen und darüber hinaus zu denken.


Joachim Bröcher, im Juli 2005