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Vorwort

Bauleistungen im Bestand haben einen großen Anteil am Gesamthochbauvolumen in Deutschland. Bei Wohnbauten beträgt dieser Anteil fast 50 %. Der Bedarf an derartigen Arbeiten ist noch größer: Der 3. Bauschadensbericht ermittelt alleine für den Wohnungsbestand für 1993 einen Instandsetzungsbedarf von 163,38 Mrd. DM. Besondere Impulse gehen dabei vom schlechten Zustand der Bausubstanz in den neuen Bundesländern und vom erstrebenswerten nachträglichen Wärmeschutz aus. Die fachgerechte Planung und Ausführung von Instandsetzungen und Modernisierungen und die angemessene Beurteilung von Mängeln und Schäden an solchen Arbeiten haben daher wachsende Bedeutung.

Insbesondere auf dem Sektor der Bauleistungen im Bestand werden häufig nicht genormte Methoden benutzt. Diese werfen für den Anwender und den beurteilenden Sachverständigen viele Fragen auf. Die Beiträge der 22. Aachener Bausachverständigentage suchen schwerpunktmäßig auf diese Fragen eine Antwort zu geben.

Neben einem allgemeineren Überblick über den Instandsetzungsbedarf in Deutschland und grundsätzliche Aspekte des nachträglichen Wärmeschutzes im Baubestand werden daher detaillierter ausgewählte Instandsetzungsmethoden behandelt: Beiträge über Imprägnierungen von Fassaden,Beschichtung von Flachdächern und Balkonen, Loggiaverglasungen, nachträgliche Querschnittsabdichtungen und Sanierputze an erdberührten Bauteilen befassen sich kritisch mit den Anwendungsmöglichkeiten und den Anwendungsgrenzen dieser Verfahren.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt bei der Problematik der Fachwerksanierung, da hier ein besonders ausgeprägter Widerstreit zwischen den Nutzeransprüchen, den Forderungen nach einem hohen Wärmeschutz und den Anforderungen der Denkmalpflege besteht.

Arbeiten am Bestand setzen eine nach Art und Aufwand problembezogene Anamnese und Diagnose voraus. Fehlerhafte Diagnosen aufgrund unzureichender Untersuchungen gehören zu den häufigsten Ursachen bei Sanierungsfehlschlägen. Die Methoden und Hilfsmittel zur groben Bestandsbeurteilung durch den Sachverständigen sowie die besonderen Beurteilungsprobleme bei Holzbauteilen werden daher detailliert abgehandelt.

Die tiefere Ursache vieler mangelhaft geplanter und schlecht bauüberwachter Instandsetzungen und Modernisierungen ist die unzureichende Honorierung solcher Arbeiten im Bestand. Ein Beitrag befaßt sich daher mit der "Instandsetzung als Planungsleistung".

Werden durch den Bauherrn Bauunterhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten unterlassen, so kann dies in juristischer Hinsicht im Hinblick auf Gewährleistungsansprüche von Bedeutung sein. Dieser besondere juristische Aspekt wird daher ebenfalls behandelt.

Die Referenten haben mit dem großen Kreis der Tagungsteilnehmer über offene Fragen zum hier behandelten umfangreichen Problemkreis im Rahmen von vier Podiumsdiskussionen diskutiert. Die wichtigsten Diskussionsbeiträge sind am Schluß dieses Bandes abgedruckt. Ich empfehle die Lektüre dieser Diskussionszusammenfassungen besonders.

Es kennzeichnet einen gut informierten Sachverständigen, daß er weiß, wo die Streitpunkte auf seinem Fachgebiet liegen und wo ein gesichertes Wissen noch ganz fehlt.

Den Referenten und den engagiert mitdiskutierenden Tagungsteilnehmern danke ich für ihre Beiträge, das Gelingen der Tagung und das Zustandekommen dieses Tagungsbandes.

Prof. Dr.-Ing. R. Oswald